In allen Landesteilen säumen mächtige Bäume die Chausseen. Andernorts längst abgeholzt, durchziehen die grünen Perlenketten den Norden wie anno dazumal. Kein Wunder, denn in Mecklenburg-Vorpommern genießen sie den Schutz der Landesverfassung.
Mit den romantischen Arkaden wird bereits die Anreise zum ersten schönen Urlaubserlebnis. Oft überspannen knorrige Linden und üppige Kastanien die Straßen. Vielarmige Eichen und schlanke Birken, hünenhafte Buchen und wulstige Ahornbäume spenden Schatten. An einsamen Landwegen stehen torkelnde Weiden und kerzengerade Pappeln. In der Nähe der Dörfer fassen nicht selten bunte Obstbäume die Zufahrten ein. Bei Gütern und Schlössern geleiten gelegentlich sogar Ginkos, Hainbuchen, Platanen, Lärchen oder Nussbäume den Gast bis zum Mittelpunkt des Anwesens.
Auf über 2.500 Kilometer summieren sich die alten zweiseitigen Baumreihen in Mecklenburg-Vorpommern. Mit den einseitigen kommen noch einmal über 1.000 hinzu. Weitere 770 Kilometer wurden in jüngster Vergangenheit neu gepflanzt. Bei den historischen Exemplaren haben einige durchaus 250 Jahre auf der Borke. Vermutlich begann man nach französischem Vorbild im 18. Jahrhundert mit der schnurgeraden Aufreihung der grünen Riesen.
Und da stehen sie nun. Unverrückbar und unbeeindruckt von der Hektik unserer Tage. Kutschen und Autos, Reiter und Radler zogen an ihnen vorbei. Gute und schlechte Zeiten haben sie erlebt. Und ungezählte Liebeserklärungen empfangen: In Tusche und in Noten, zwischen Buchdeckeln und auf Leinwänden. Fontane und Tucholsky gehörten zu ihren frühen und glühendsten Verehrern.
Bei Besuchern wecken die strammen Recken vor allem Erinnerungen an unbeschwerte Kindertage, an eine Zeit, in der man noch mit Apfelmost und Schinkenbrot auf der Chaussee ins Blaue radelte, als man die Vogelschar nicht nur aus Liedern kannte und allein der Funkverkehr der Schwalben das heisere Konzert der Frösche übertönte.
Auch die Charakterexemplare entlang der "Deutschen Alleenstraße" sahen die letzten Jahrhunderte an sich vorbeiziehen. Sie beginnt – wie könnte es anders sein – im Alleenparadies auf der Insel Rügen. Genauer gesagt im Ostseebad Sellin. Von hier führt sie über die alte Bäderstraße und das fürstliche Putbus nach Stralsund. Aus der Hansestadt folgt die Route der B 194 gen Süden. Über Grimmen, Loitz, Demmin, Neu Ketzlin, Malchin, Vollrathsruhe. In der Seenplatte passiert sie dann Sietow, Röbel/Müritz, Mirow und Wesenberg. Hinter Wustrow verlässt sie Mecklenburg-Vorpommern dann in Richtung Bodensee.
Zu allen Jahreszeiten bieten die gekrönten Wege dem Reisenden eine Vielfalt an Natureindrücken, die sich am besten auf dem Fahrrad oder zu Fuß erschließen. Im Frühjahr fühlt man die Energie, wenn man durch das frische Grün reist. Im Sommer spendet das Blätterdach Schatten. Ein Gefühl der Geborgenheit macht sich breit. Das Lichtspiel der Sonnenstrahlen sorgt für eine gelassene Stimmung. Der Herbst bietet einen überschwänglichen Farbenrausch, der dem Indian Summer in Nordamerika in nichts nachsteht. Im Winter entwickeln die Alleen einen eher bizarren Charme. Aber auch zu dieser Jahreszeit vermitteln sie Beständigkeit und geleiten den Reisenden an sein Ziel.
Die grünen Tunnel sind jedoch nicht nur eine Augenweide und ein einmaliges Kulturgut. Sie sind auch Lebensraum vieler Tiere und ein unverzichtbarer Filter für Wasser und Luft. Unterdessen leiden viele Straßenbäume allerdings unter den Abgasen, unter Streusalz und Bauarbeiten. Außerdem müssen alte und kranke Exemplare ersetzt werden. Bundesumweltminister Jürgen Trittin rief deshalb im Jahr 2003 zum Schutz der Alleen in Deutschland auf. Gemeinsam mit der Alleenschutzgemeinschaft e. V. und dem Deutschen Tourismusverband e. V. will er dieses "liebenswerte Stück Heimat" erhalten helfen.
Weitere Informationen:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit »
Kampagne - Deutsche Allen durch nichts zu ersetzen »
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Zwischen Ankershagen und Pieverstorf
Zwischen Ankershagen, berühmt durch sein Schliemann-Museum, und Pieverstorf, auf dem Weg zu den beiden Gutshäusern in Peckatel und der Burg Penzlin, führt der Weg durch eine rund 900 m lange Allee aus 45 rund 150 Jahre alten Flatterulmen - eine ausgesprochene Seltenheit.
Rings um Bad Doberan
Eine der entzückendsten Alleen begleitet Sie auf der L 12 von der fürstlichen Sommerresidenz Bad Doberan in das mondäne Ostseebad Heiligendamm. Und wenn Sie Glück haben, sehen Sie durch die alten Linden hindurch den schnaufenden Molli. Ächzend zuckelt die betagte Schmalspurbahn auf der gleichen Route zwischen beiden Orten hin und her. Auch nach Kühlungsborn stehen die Bäume dem Dampfross und den Autofahrern Spalier. Sehr schöne Linden und zum Teil Ahornalleen durchfahren Sie zwischen Kühlungsborn und Rerik an der L 12/ 122 und zwischen Rerik und Kröpelin. Eine weiter geschlossene Lindenallee befindet sich an der K 06 zwischen Retschow und Bad Doberan.
Auf dem Weg zum Schloss Basedow
Von Malchin auf der L 20 in Richtung Dahmen passieren Sie Linden, Rosskastanien und verschiedene Obstbäume. Abzweigend dann nach Basedow befindet sich eine Kastanienallee. Nordöstlich in Richtung Malchin befindet sich eine Ahornallee. Die Straßen haben außerdem wegen des Kopfsteinpflasters eine besondere kulturhistorische Bedeutung. Die B 104 säumen zwischen Remplin und Malchin eine bildschöne Ahorn- und Pappelallee. Von Malchin führt eine sehr seltene und lange Ebereschenallee in Richtung Stavenhagen. Teilweise stehen hier auch Eichen. Zum 15 km südwestlich gelegenen Schloss Schorssow an der K 44 gelangen Sie über eine bunte Allee, die zwischen Ziddorf und Bülow einen besonders guten Zustand aufweisen. Hier mischen sich Ahorn, Linden und Ebereschen. Die 19 km westlich gelegene Burg Schlitz bei Hohen Demzin erreichen Sie über die B 108. Zwischen Ziddorf und Teterow durchfahren Sie einen Tunnel aus Eschen und Pappeln. Weitere Nebenstraßen, die in den Ort Hohen Demzin führen, weisen Alleen mit stattlichen Roßkastanien und Weiden auf.
Auf dem Weg zur Burg in Burg Stargard
An der L 331 zwischen Stolpe und Burg Stargard befindet sich eine fast durchgehende Allee mit Eschen, Linden, Roßkastanien und Obst. Besonders beeindruckend ist der Kastanienbestand. Bei voller Belaubung entsteht durch den Kronenschluss ein domartiger Eindruck.
Auf dem Weg zur Festung Dömitz
An der B 191 von Karstädt sind besonders die Alteichenbestände bei Malliß und Malk Göhren sehenswert. An der L 04 von der B 191 ca. 2 km in Richtung Heiddorf befindet sich eine geschlossene, wertvolle Eichenallee in gutem Zustand. An der B 195 führt von Landesgrenze Niedersachsen bis Kreuzung B 191 ein lockerer Altbaumbestand von guter Vitalität und mit sehr wertvollen Einzelbäumen. Darunter alter Silberahorn.
Auf dem Weg zum Jagdschloss Granitz / Rügen
Von Bergen kommend durchfahren Sie auf der B 196 eine Allee mit Esche, Ahorn und Hainbuche. Über die L 29 wachen zwischen Serams und Binz sehr schöne Birkenreihen. Zum Jagdschloss führt eine geschlossene Roßkastanienallee. Der Baumbestand hier hat einen besonders guten Zustand und ist wegen seiner Länge von Bedeutung. Auf der Fahrt nach Bergen können Sie sich auf der B 196 zwischen Prora und Karow an Linden, Eichen und Hainbuchen ergötzen.
Auf dem Weg zum Schloss Hohendorf / bei Stralsund
Aus Stralsund kommend durchfahren Sie auf der L 213 nach Hohendorf eine Allee mit Ahorn, Hainbuche und Esche. Prohn und Hohendorf verbindet eine lange Lindenallee. Nur 11 km südlich von Hohendorf befindet sich das Schloss Krönnevitz. Sehenswert sind hier Eschen, Eichen und Linden an der L 11 zwischen Kramersdorf und Altenpleen.
Auf dem Weg zum Schloss Bothmer bei Klütz
An der L 03 zwischen Grevesmühlen und Klütz, wo man u.a. das Schloss Bothmer besichtigen kann, befinden sich sehr vitale Kastanien und Linden. An der B 105 zwischen Selmsdorf und Abzweig Schwanbeck erfreuen Ahorn, Kastanien und Linden das Auge.
Auf dem Weg zum Schloss Willigrad
Das Schloss Willigrad, am Schweriner See gelegen, erreicht man über die B 106. Zwischen Schwerin Medewege bis zum Bahnübergang Zickhusen befindet sich ein relativ geschlossener gemischter Baumbestand mit guter Vitalität, hauptsächlich Kastanien. Von Groß Stieten bis Dorf Mecklenburg durchfahren Sie eine sehenswerte Allee mit gemischtem Bestand und guter Vitalität, insbesondere eine sehr schöne alte Lindenallee bei Abzweig Petersdorf.
Auf dem Weg zur Burg in Neustadt-Glewe
Auf der L 92 zwischen Rusch und Friedrichsmoor und weiter von Friedrichsmoor über Abzweig K in Richtung Burg Neustadt-Glewe träumen Eschen, Roßkastanien, Eichen und Pappeln. Nur 12 km südwestlich befindet sich das Schloss Ludwigslust mit einem sehr reizvollen Schlossgarten.
Auf dem Weg zum Schloss Penzlin / Waren
Auf der B 193 zwischen Brustorf und Penzlin können Sie eine Lindenallee bewundern. An der L 21 zwischen Puchow und Penzlin befinden sich Alleen mit Ahorn und Linde. 19 km nördlich von Penzlin erwartet Sie das Schloss Pinnow. Zuführend zwischen Breesen und Pinnow - eine Eschenallee, zwischen Chemnitz und Pinnow - eine Eichenallee und nordwestlich von der B 104 eine Obst- und Weidenallee. Etwa 21 km westlich von Penzlin liegt das Schloss Groß Plasten. Zu ihm streben von Deven eine Eichen- und eine seltene Weißdornallee und von Alt Schloen eine Eichenallee.
Auf dem Weg zum Schloss Spyker / Rügen
Das Schloss liegt direkt am Jasmunder Bodden. Auf der L 33 von Stubbenkammer durchfahren Sie nach dem Abzweig Ruchwitz eine Allee mit Linde, Roßkastanie, Esche und Ahorn. Direkt zum Schloss führt dann eine sehr seltene Weidenallee. Weiter südwestlich, etwa 16 km vom Schloss entfernt, befindet sich ebenfalls am Jasmunder Bodden das Schloss Ralswiek und die berühmte Naturbühne Ralswiek. Zwischen Gnies und Ralswiek passieren Sie eine sehr seltene Ebereschenallee.
Auf dem Weg zum Schloss Tützpatz
An der L 27 führt zwischen Altentreptow und Pripsleben eine Eschenallee zum Schloss. Auf der L 27 von Demmin kommend befinden sich zwischen Törpin und Nauenhagen sehr schöne Bestände von Ahorn und Esche. Nordöstlich Richtung Gültz gibt es eine sehr schöne Linden- und Roßkastanienallee.
Auf dem Weg zum Schloss Wrangelsburg
Auf der B 109 von Karlsburg in Richtung Greifswald können Sie durch eine durchgehende Lindenallee und abzweigend nach Wrangelsburg durch eine Birken- und Hainbuchenallee fahren. Auf der B 111 zwischen Züssow und Abzweigung B 109 durchqueren Sie eine Ahorn- und eine seltene Hainbuchenallee. An der B 111 aus Richtung Wolgast zwischen Lühmannsdorf und Abzweig B 109 stehen im Wechsel Ahorn, Linden und Roßkastanien. Zwischen Brüssow und Wrangelsburg befindet sich eine geschlossene Lindenallee.
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