Wismar und Stralsund besonders ursprünglich



Aus der Höhe ist die Front mehrerer Stadthäuser mit grauen, roten und gelben Fassaden zu sehen. In der Mitte steht ein Haus im Stil der Backsteingotik gebaut mit vier stufig angeordneten kleinen Türmen im oberen Abschluss. Unter den "Backsteinstädten" Mecklenburg-Vorpommerns ragen - nachdem viele andere Innenstädte im II. Weltkrieg stark beschädigt wurden - zwei besonders gut erhaltene heraus. Die Altstädte von Stralsund und Wismar repräsentieren heute noch idealtypisch die entwickelte Hansestadt aus der Blütezeit des Städtebundes im 14. Jahrhundert. Beide Städte bewahrten ihre mittelalterlichen Grundrisse mit Straßennetz und der Quartier- und Parzellenstruktur bis heute nahezu unverändert und legen damit Zeugnis für die Anlage von Seehandelsstädten nach Lübischem Recht ab. Die überlieferte Bausubstanz mit den zahlreichen herausragenden Einzeldenkmalen stellt ein anschauliches Dokument für die politische und wirtschaftliche Bedeutung sowie den außerordentlichen Reichtum der Städte im Mittelalter dar. Insbesondere die sechs monumentalen Backsteinkirchen bilden einen einzigartigen Querschnitt durch die berühmte Sakralarchitektur der Hansestädte im südlichen Ostseeraum.

Die beiden historischen Stadtkerne ergänzen einander außerdem durch einige spezifische Besonderheiten: Stralsunds einmalige Insellage zwischen dem Strelasund und den Teichen betont den mittelalterlich geprägten Stadtkörper, der in der unverwechselbaren Silhouette zur Geltung kommt. Stralsund war neben Lübeck im 14. Jahrhundert die bedeutendste Stadt im gesamten Ostseeraum und wurde im Jahr 1370 als Ort für die Friedensverhandlungen mit Dänemark ausgewählt. Deren Ergebnis, der berühmte Stralsunder Friede, ging als Höhepunkt hansischer Machtentfaltung in die europäische Geschichte ein. Von dieser Blütezeit der Stadt zeugt ein großer Bestand erhaltener Bausubstanz, darunter das Rathaus mit seiner weit reichenden architekturgeschichtlichen Bedeutung.

Wismar besitzt trotz schwerer Verwüstungen im II. Weltkrieg fast 400 Einzeldenkmale. Mit 76 Hektar ist sie die größte im Ostseeraum erhaltene Altstadt und ein Flächendenkmal für mittelalterliche Bau- und Lebensweise par excellence. Erhalten blieben das Hafenbecken in seiner Lage und Formgebung, die quer durch die Stadt fließende Grube (der letzte erhaltene künstliche Wasserlauf in einer mittelalterlichen Altstadt Norddeutschlands) und der mit 100 mal 100 Metern größte Marktplatz an der Ostsee.

Am 28. Juni 2002 ist das Denkmal "Historische Altstädte Stralsund und Wismar" in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden.


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