Es kann nur eine gute Fee gewesen sein, die an jenem Sommermorgen auf dem Beifahrersitz saß. Sie lenkte das Auto von der großen Straße auf den schmalen Feldweg. Und sie schob das Blätterdach der alten Kastanien just in dem Moment zur Seite, als dahinter dieses hinreißende Gutshaus auftauchte.
Eine Szene wie im Märchen. Ein verträumtes Schloss mit Zinnen und Türmchen, ein verwunschener Park mit echten Rosen und falschem Jasmin, ein kleiner See mit Schilf und Schwan. Auch wenn der Zahn der Zeit schon kräftig nagt, der Putz bröckelt und die Türen quietschen, so ist doch alles noch da. Von Dornröschen zwar keine Spur, dafür aber von der aufgeweckten Nachbarin. »Wollen Sie’s nicht kaufen? Ist doch so schön hier.« Ja, das ist es wirklich.
Die gute Fee, die aus Luftschlössern reale Projekte macht, kommt in ganz unterschiedlicher Gestalt daher. Mal in Form einer Midlife Crisis mit positivem Ausgang, nach dem Motto: Jetzt will ich’s noch mal wissen. Oder auch in Form langgehegter Träume: vom Wellness-Hotel oder der Wohngemeinschaft, vom Seminarzentrum oder dem Ökohof, vom Maleratelier oder dem Musentempel, wo man dann endlich einen Bestseller schreibt.
Schon viele Ritter haben in Mecklenburg-Vorpommern ihr Glück gefunden. Schließlich glänzt kaum eine andere Region Deutschlands mit so vielen Burgen, Schlössern, Guts- und Herrenhäusern wie das Märchenland im Nordosten. Die Gründe für die Schlösserflut sind allerdings weniger romantisch: Die Herrschaften im Hause Mecklenburg stritten sich nämlich häufig um die Regentschaft und teilten das Land mehrfach. Und brauchten deshalb immer neue Regierungspaläste, Sommersitze, Lust- und Jagdschlösschen. Außerdem konnten sich in dem armen Landstrich auch adlige Großgrundbesitzer und preußische Staatsdiener ziemlich mächtige Anwesen leisten. Später kamen Fabrikanten und Bankiers aus der nahen Hauptstadt dazu.
So träumt hinter den sieben Bergen von Mecklenburg und Vorpommern ein Märchenschloss neben dem anderen. Etwa 2.000 herrschaftliche Anlagen sollen es sein. Rund 290 davon werden bereits touristisch genutzt. Mit Vehemenz haben sich Privatpersonen und Unternehmen, Stiftungen und Vereine, Kommunen und die Landesregierung dieses unschätzbaren Kulturerbes angenommen. Staunend erleben Einheimische und Gäste, wie Jahr für Jahr ein Goldstück nach dem anderen zu glänzen beginnt.
Doch noch immer liegen viele Anwesen im Dornröschenschlaf und warten nur darauf, endlich wachgeküsst zu werden. Machen Sie Ihre Träume wahr – hier hilft man Ihnen gern dabei.
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