• Künstler_2014-II
    Künstler_2014-II

CONCERTO RECITATIVO: "An diesem unglückseligen 3. Mai des Jahres 1943"

Ein musikalisch-literarisches Konzerterlebnis mit Musik von Beethoven, Chopin, Prokofjev

Volker Link: Klavier

Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse: Konzept, Texte und Sprecher

 

An diesem Tag soll der 27-jährige Pianist Karlrobert Kreiten ein Klavier-Recital im Großen Universitätssaal zu Heidelberg spielen vor lange ausverkauftem Haus. Das Konzert findet nicht statt, das Publikum wird mit einem Zettel an der Eingangstür „Kreiten-Konzert fällt aus“ nach Hause geschickt; die Gestapo hatte ihn morgens um acht verhaftet.

An diesem glückseligen 3. Mai des Jahres 1943 wird die 61-jährige Pianistin Elly Ney ohne Zweifel in irgendeiner Stadt einen Klavierabend gegeben haben. Ihre Konzerte fielen nicht aus, sie sonnte sich in der Gunst einer nationalsozialistischen Kulturpolitik. Allerdings fallen ihre Konzerte später aus, nach 1945, als Elly Ney Schwierigkeiten bekommt, ihre offenkundige Sympathie für das „Dritte Reich“ und ihren offenkundigen Antisemitismus zu rechtfertigen. Dennoch kam sie bald wieder zu künstlerischen Ehren. Karlrobert Kreiten hingegen wurde in der Nacht von 7. auf den 8. September 1943 gehenkt. Die eine – Elly Ney – verstand sich als politisch engagierte Künstlerin. Der andere – Karlrobert Kreiten – zahlte den Preis für einen (vielleicht harmlosen, wenn nicht gar naiven) geistigen Widerstand.

Ney und Kreiten gemeinsam war die Liebe zur Musik, vor allem zur Musik Beethovens ... und sie stammten beide aus Bonn, zufällig. Die Dramaturgie einer konzertanten Parallelmontage eröffnet die Möglichkeit, nach der Schuld bzw. Unschuld der Musik, nach ihrem politischen Ge- bzw. Missbrauch zu fragen ... unter wessen Fingern entsteht denn nun die wahre Identität der „Mondscheinsonate“ ... oder ist es ihm, dem musikalischen Kunstwerk, vollkommen gleichgültig, wer es wann und in welche Welt ruft? Und welcher Kraft des Widerstands wohnt ihm selbst inne?

Die Musik also ist an diesem Abend eingenetzt in ein politisches Kraftfeld, vertreten durch eine Sympathisantin auf der einen Seite und durch ein Opfer auf der anderen. Die Musik selbst zu fokussieren, bietet die Chance, die Frage von Schuld und Sühne, von Hoffnung und Verzweiflung, auf eine andere Ebene zu verlagern.

 

Der Eintritt ist frei. Karten sind am Empfang des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs oder an der Abendkasse erhältlich, solange der Vorrat reicht. Die Veranstaltung wird gefördert durch Dr. Hans-Peter Hamm (Osnabrück), die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

 

Wir konnten Herrn Professor Schmidt-Banse, der das Konzept des Concerto Recitativo entworfen hat, für ein Hintergrundseminar gewinnen. Dieses wird direkt vor dem Konzert, am 5.12.2014  um 16.30 Uhr im Seminarraum des Wissenschaftskollegs durchgeführt. Das Seminarthema lautet: "Formal- versus Ausdrucksanalyse. Oder: wie gut hören Laien Musik?" Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, am Seminar teilzunehmen. Aus organisatorischen Gründe bitten wir um eine formlose Anmeldung durch eine entsprechende E-Mail an:  rainer.cramm@wiko-greifswald.de

Datum:

- leider schon vorbei -


Veranstaltungskategorie:

Klassik


Kontakt:

Aula der Universität Greifswald

Domstraße 11
17487  Greifswald


Kontakt:

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald

Martin-Luther-Straße 14
17489  Greifswald

+49 (0)3834 8619019
info@wiko-greifswald.de


Alle Veranstaltungstermine

  • Freitag, 05.12.2014, 18:30 Uhr
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