Regina Scheer stellt ihren Roman „Machandel“ vor

Autorenlesung in Neubrandenburg im Rahmen des "Kultur-Herbstes Mecklenburgische Seenplatte".

Zur Autorenlesung von Regina Scheer am 9. September um 18 Uhr im Brigitte-Reimann-Literaturhaus laden Regionalbibliothek und Literaturzentrum herzlich ein. Die Berliner Autorin stellt ihren druckfrischen Familien- und Generationenroman „Machandel“ (Knaus Verlag 2014) vor. Er erinnert mit ganz eigenem literarischen Ton und weitem historischen Blick „an die DDR und wie sie unterging“ und in seinem Titel klingt bereits an: Bezüge nach Mecklenburg spielen eine besondere Rolle …
Vielschichtige Lebensgeschichten kreuzen sich im scheinbar weltvergessenen mecklenburgischen Dorf Machandel, schlagen weite Bögen zur „großen Geschichte“, von den 30er Jahren über Kriegsende und Anfänge der DDR bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart, erzählen von Idealen, Hoffnungen und Enttäuschungen, von Lebenslügen und zerplatzten Lebensträumen, von Erstarrung und Neubeginn.
Machandel heißt niederdeutsch „Wacholder“ und ist der Name eines abgelegenen (fiktiven) Dorfes mitten in Mecklenburg, zwischen Teterow und Güstrow. Die junge Berlinerin Clara lernt es im Jahr 1985 kennen, als sie ihren Bruder Jan kurz vor seiner Ausreise aus der DDR an den Ort seiner Kindheit begleitet. Für Clara wird Machandel mehr als 25 Jahre lang zum Leben gehören: Hier entdeckt sie ein Sommerhaus, einen Rückzugsort von den aufreibenden Ereignissen der letzten DDR-Jahre, als sie sich im Pankower Friedenskreis engagiert. Hier findet sie Inspiration für ihre Forschungen zum Märchen vom Machandelboom. Hier öffnen sich ihr Zugänge zu lange verschwiegenen, fast vergessenen Erinnerungen, die ihre eigene Familiengeschichte verweben mit Lebensgeschichten aus Machandel, mit der Geschichte des Landes DDR und mit dem Kern des Märchens …

Aber nicht allein Clara erzählt von Idealen, Hoffnungen und Enttäuschungen, von Lebenslügen und zerplatzten Lebensträumen, von Erstarrung und Neubeginn. Regina Scheer stellt differierende, widersprüchliche Erinnerungen nebeneinander, gibt Lebenden und Toten eine Stimme. Dazu gehören Claras Vater Hans, der als Kommunist in Machandel den Todesmarsch aus dem KZ Sachsenhausen überlebte, in der DDR Minister wurde und dessen Kinder sich der Bürgerbewegung anschlossen, Jans Freund Herbert, der die DDR-Opposition mit begründete und dessen Familie an der Ausweisung zerbrach, Claras Dorfnachbarin Emma, die auf der Flucht vor dem Bombenkrieg in Machandel eine Großfamilie fand, und Claras Freundin Natalja, die aus Smolensk als NS-Zwangsarbeiterin nach Mecklenburg verschleppt wurde und immer eine Fremde blieb.

Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven öffnet sich ein weites Spektrum weiterer Lebensgeschichten, Erfahrungen und Erinnerungen. Sie handeln u. a. von Nataljas großer Liebe Grigori, der als Kriegsgefangener im Stalag Neubrandenburg-Fünfeichen nach Machandel kam und das Dorf als Gulag-Häftling verließ, von Emmas Ziehtochter Marlene, die NS-Zwangssterilisationen in Schwerin-Sachsenberg zum Opfer fiel, von Arthur aus Königsberg, der den Geigen-bogenbau nach Mecklenburg mitbrachte und den brasilianischen Fernambuk retten will oder von Claras Bruder Jan, dem Fotografen, der mit Bildern vom Prager Frühling zum Dissidenten wurde, das Land verlässt, vergessen werden soll.

Vielstimmig und vielschichtig erzählt Regina Scheer mit gebrochenen Lebensgeschichten aus dem Osten Deutschlands von den historischen Brüchen deutscher Zeitgeschichte. Sie kreuzen sich in Machandel und sie schlagen weite Bögen zwischen dem scheinbar weltvergessenen Dorf und der „großen Geschichte“, von den 30er Jahren über Kriegsende und Anfänge der DDR bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart.

„Immer wieder erfuhr ich, wie scheinbar Vergangenes in die Gegenwart führt, wie es immer um dasselbe geht – um Menschen und ihre Träume, um Macht und Ohnmacht. Und die Dinge sind selten so, wie sie scheinen...“, heißt es in den Erinnerungen Herberts und vermittelt das vielfarbige, komplexe Erinnerungsmosaik. Dessen Mosaiksteine verbindet Regina Scheer durch so überraschende wie stimmige inhaltliche Bezüge, vor allem aber durch ein literarisches Motiv, das von Verschweigen und Vergessen, von Wissenwollen, Erinnern und Bewahren erzählt: das Märchen vom Machandelboom. Es ist Clara, die dem Leser den Gedanken mitgibt: „Während ich mich an die Tage im Jahr 1988 erinnere, mehr als zwei Jahrzehnte danach, spüre ich, dass meine Erinnerungsbilder auch Teile eines Ganzen sind, die man bewahren, aneinanderreihen muss, auch wenn die Knöchelchen abgenagt und einige für immer verloren scheinen.“

„Ein wunderbares Buch. Eine Historie unserer Zeit. Genau und sehr poetisch.“ (Christoph Hein)

Leseprobe: http://www.randomhouse.de/Buch/Machandel-Roman/Regina-Scheer/e459838.rhd

Die Publizistin, Historikerin und Autorin Regina Scheer setzt sich seit Jahren intensiv auseinander mit den Themen Geschichte und Erinnerung, Erinnerungsorte, Entwicklung von Gedenk- und Erinnerungskultur. Sie konzipierte Ausstellungen, arbeitete mit an Gedenkstättenführern, veröffentlichte Essays und biografische Spurensuchen zur deutsch-jüdischen Geschichte (u. a. „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Teil Mecklenburg-Vorpommern“, „Der Umgang mit den Denkmälern“, „Ahawah: das vergessene Haus“, „Im Schatten der Sterne: eine jüdische Widerstandsgruppe“, „Wir sind die Liebermanns: die Geschichte einer Familie“, „Max Liebermann erzählt aus seinem Leben“). „Machandel“ ist ihr erster Roman.

Karten für die Autorenlesung (5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro) gibt es an der Abendkasse sowie im Vorverkauf in der Regionalbibliothek und im Brigitte-Reimann-Literaturhaus, Reservierung ist gern möglich per Telefon 0395 / 5551388, 0395 / 5719180 oder per Mail bibl@neubrandenburg.de, info@literaturzentrum-nb.de.

Eintritt/Preisinformation:

Karten für die Autorenlesung (5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro) gibt es an der Abendkasse sowie im Vorverkauf in der Regionalbibliothek und im Brigitte-Reimann-Literaturhaus, Reservierung ist gern möglich per Telefon 0395 / 5551388, 0395 / 5719180 oder per Mail bibl@neubrandenburg.de, info@literaturzentrum-nb.de

5,00 €

Datum:

- leider schon vorbei -


Veranstaltungskategorie:

Literatur


Kontakt:

Brigitte-Reimann-Literaturhaus

17033  Neubrandenburg


Kontakt:

Regionalbibliothek Neubrandenburg

Friedrich-Engels-Ring 53
17033  Neubrandenburg


Alle Veranstaltungstermine

  • Dienstag, 09.09.2014, 18:00 Uhr
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