• Prof. David Katz mit Ehefrau Rosa und den Söhnen Gregor und Theodor - Rostock 1934, © MSH
    Prof. David Katz mit Ehefrau Rosa und den Söhnen Gregor und Theodor - Rostock 1934
  • Dr. Walter Gross mit Ehefrau Ruth Gunhild und Tochter Anneli - Valla bei Katrineholm 1942, © MSH
    Dr. Walter Gross mit Ehefrau Ruth Gunhild und Tochter Anneli - Valla bei Katrineholm 1942

Verfolgt, vertrieben, ausgegrenzt? Jüdisches Exil in Schweden

Am Beispiel zweier ganz unterschiedlicher Familienbiografien, u.a. dargestellt anhand erhaltener Familiendokumente, Tonaufnahmen sowie mit zahlreichen Archivmaterialien, zeigt die Ausstellung Exilerfahrungen deutsch-jüdischer Flüchtlinge jener Jahre.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft war Schweden einer der letzten Zufluchtsorte auf dem europäischen Kontinent für Flüchtlinge aus Deutschland. In den Jahren von 1933 bis 1945 fanden etwa 5.000 Menschen Zuflucht in dem skandinavischen Land, viele davon wurden als Juden verfolgt. Um Neutralität in den kontinentalen Händeln bemüht, war die Flüchtlingspolitik Schwedens nicht gerade freundlich gegenüber den Immigranten. Die Politik und auch die öffentliche Meinung wurden weithin von Ängsten vor ausländischer Konkurrenz am Arbeitsmarkt und vor Überfremdung bestimmt. Jüdische Flüchtlinge wurden zumeist als Wirtschaftsflüchtlinge, nicht als politisch Verfolgte betrachtet, ihre Aufnahme erfolgte äußerst zurückhaltend. Zu den bekanntesten deutschen Flüchtlingen, die ins schwedische Exil gingen, gehören u. a. Willy Brandt, Kurt Tucholsky, Herbert Wehner, Nelly Sachs und Peter Weiss.

Familienbiografien:

Dr. Walter Gross (1899-1967) entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie, arbeitete bis zu seiner Entlassung 1933 als Stadtbibliothekar in Berlin, er war dort auch als linker Publizist tätig. Als Jude und aktiver Sozialdemokrat war er in Nazideutschland doppelt verfolgt. Er rettete sich mit seiner Frau nach Schweden, arbeitete dort zeitweise als Lehrer und Rundfunkjournalist. Aber er musste auch erleben, dass ihre Situation prekär blieb. Anträge zur Gewährung längerfristigen Aufenthalts oder auf Einbürgerung wurden mehrfach abgelehnt. Selbst als er mit einer Schwedin, seine erste Frau war inzwischen verstorben, eine neue Familie gründete und Deutschland ihn wie alle im Ausland lebenden deutschen Juden zu „Staatenlosen“ erklärt hatte. Zwei Kinder hatte das Paar – auch sie staatenlos. Groß konnte keine feste Anstellung finden. Auch schlug ihm vielfach eine zunehmende Judenfeindlichkeit in Schweden entgegen, obwohl er sich inzwischen hatte taufen lassen. Seine Tochter Anneli hat erst in späteren Jahren von der jüdischen Herkunft ihres Vaters erfahren, auch die deutsche Herkunft wurde, als Makel, meist verschwiegen. Heute lebt sie in Rostock und ist zum Judentum konvertiert.

Prof. David Katz (1884-1953), der studierte Psychologe aus Kassel, erhielt einem Ruf an den Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik, den die Universität Rostock anlässlich ihrer 500-Jahrfeier im Jahr 1919 neu geschaffen hatte. In Rosa Heine, einer am Institut arbeitenden Mitarbeiterin, fand er sein persönliches Glück. In Rostock entfaltete er eine erfolgreiche Lehr- und Forschungstätigkeit, veröffentlichte Aufsätze und Schriften, um den noch jungen Wissenschaftszweig voranzubringen. Bis die mecklenburgische Gauleitung Anfang 1934 ihn, den angeblich „jüdisch-marxistischen Professor“, wegen seiner Abstammung in den Ruhestand versetzte. Katz übernahm eine Gastprofessur in England, erst 1935 konnte die Familie nachkommen. Im Jahr 1937 emigrierte das Wissenschaftler-Ehepaar nach Schweden, um gemeinsam mit seinen beiden Kindern, einen Neuanfang zu wagen. An der Universität Stockholm baute er erfolgreich den Lehrstuhl für Pädagogik und Psychologie auf. Seine produktive wissenschaftliche Arbeit wurde weltweit geachtet und anerkannt. Durch die von Anbeginn gesicherte Existenz war das Einleben für Katz und seine Familie in der neuen Heimat nicht schwer. Nach nur einem Jahr in Stockholm erhielt die gesamte Familie die schwedische Staatsbürgerschaft. Einen erneuten Ruf an die Universität Rostock lehnte er 1945 ab.

Eintritt: zur Ausstellung: 3 € • bei Führungen: 5 € (für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren freier Eintritt)

Zwischen dem 15. Dezember 2014 und 5. Januar 2015 ist das Max-Samuel-Haus für den öffentlichen Besucherverkehr geschlossen.

 

 

Datum:

- leider schon vorbei -


Veranstaltungskategorie:

Ausstellung


Kontakt:

Max-Samuel-Haus / Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock

18055  Rostock


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