Führung: Verfolgt, vertrieben, ausgegrenzt? Jüdisches Exil in Schweden

Am Beispiel zweier ganz unterschiedlicher Familienbiografien, u.a. dargestellt anhand erhaltener Familiendokumente, Tonaufnahmen sowie mit zahlreichen Archivmaterialien, zeigt die Ausstellung Exilerfahrungen deutsch-jüdischer Flüchtlinge jener Jahre.

Familienbiografien:

Dr. Walter Gross (1899-1967) entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie, arbeitete bis zu seiner Entlassung 1933 als Stadtbibliothekar in Berlin, er war dort auch als linker Publizist tätig. Als Jude und aktiver Sozialdemokrat war er in Nazideutschland doppelt verfolgt. Er rettete sich mit seiner Frau nach Schweden, arbeitete dort zeitweise als Lehrer und Rundfunkjournalist. Aber er musste auch erleben, dass ihre Situation prekär blieb. Anträge zur Gewährung längerfristigen Aufenthalts oder auf Einbürgerung wurden mehrfach abgelehnt. Selbst als er mit einer Schwedin, seine erste Frau war inzwischen verstorben, eine neue Familie gründete und Deutschland ihn wie alle im Ausland lebenden deutschen Juden zu „Staatenlosen“ erklärt hatte. Zwei Kinder hatte das Paar – auch sie staatenlos. Groß konnte keine feste Anstellung finden. Auch schlug ihm vielfach eine zunehmende Judenfeindlichkeit in Schweden entgegen, obwohl er sich inzwischen hatte taufen lassen. Seine Tochter Anneli hat erst in späteren Jahren von der jüdischen Herkunft ihres Vaters erfahren, auch die deutsche Herkunft wurde, als Makel, meist verschwiegen. Heute lebt sie in Rostock und ist zum Judentum konvertiert.

Prof. David Katz (1884-1953), der studierte Psychologe aus Kassel, erhielt einem Ruf an den Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik, den die Universität Rostock anlässlich ihrer 500-Jahrfeier im Jahr 1919 neu geschaffen hatte. In Rosa Heine, einer am Institut arbeitenden Mitarbeiterin, fand er sein persönliches Glück. In Rostock entfaltete er eine erfolgreiche Lehr- und Forschungstätigkeit, veröffentlichte Aufsätze und Schriften, um den noch jungen Wissenschaftszweig voranzubringen. Bis die mecklenburgische Gauleitung Anfang 1934 ihn, den angeblich „jüdisch-marxistischen Professor“, wegen seiner Abstammung in den Ruhestand versetzte. Katz übernahm eine Gastprofessur in England, erst 1935 konnte die Familie nachkommen. Im Jahr 1937 emigrierte das Wissenschaftler-Ehepaar nach Schweden, um gemeinsam mit seinen beiden Kindern, einen Neuanfang zu wagen. An der Universität Stockholm baute er erfolgreich den Lehrstuhl für Pädagogik und Psychologie auf. Seine produktive wissenschaftliche Arbeit wurde weltweit geachtet und anerkannt. Durch die von Anbeginn gesicherte Existenz war das Einleben für Katz und seine Familie in der neuen Heimat nicht schwer. Nach nur einem Jahr in Stockholm erhielt die gesamte Familie die schwedische Staatsbürgerschaft. Einen erneuten Ruf an die Universität Rostock lehnte er 1945 ab.

 

 

 

Datum:

- leider schon vorbei -


Veranstaltungskategorie:

Ausstellung, Führungen & Touren


Kontakt:

Max-Samuel-Haus / Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock

18055  Rostock


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Alle Veranstaltungstermine

  • Donnerstag, 27.11.2014, 16:00 Uhr
  • Dienstag, 09.12.2014, 16:00 Uhr
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