• Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Professorin für Medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, © Angela Schuh
    Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Professorin für Medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Ostseeklima lindert Atemwegserkrankungen

Bei Atemwegserkrankungen kann ein Kururlaub im milden Reizklima der Ostseeregion helfen, heißt es. Ostseebäder bieten Thalasso- und Klimatherapien an, die unter anderem zur Linderung bei Asthma, Bronchitis oder COPD beitragen können. Seit Jahren befasst sich Prof. Dr. Dr. Angela Schuh, Professorin für Medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in klinischen Studien unter anderem mit der Wirkung der Klimatherapie in verschiedenen Klimabereichen, der Entwicklung indikationsbezogener Kur- und Rehabilitationskonzepte sowie dem wissenschaftlichen Nachweis des therapeutischen Erfolgs. In Mecklenburg-Vorpommern unterstützte sie als Gutachterin die Zertifizierung von Kurorten und bildet jährlich zahlreiche Klimatherapeuten im Bundesland aus. Wir sprachen mit ihr über den Einfluss des Ostsee- und küstennahen Klimas auf Atemwegserkrankungen und geeignete Therapieformen.

 
Welche klimatischen Besonderheiten Mecklenburg-Vorpommerns können sich positiv auf Atemwegserkrankungen auswirken?

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: Die gesamte Region verfügt über immense Möglichkeiten und ist in der Kombination ihrer klimatischen Bedingungen sehr besonders. An den Stränden weht meistens eine salzige Brise vom Meer. Dazu die Küstenwälder und das Hinterland mit Seen und großen Waldgebieten. Vor allem entlang der Ostseeküste herrscht ein wirklich mildes Reizklima, das sich von dem entlang der wesentlich raueren Nordsee unterscheidet. Das Ostseeklima zeichnet hohe Luftfeuchtigkeit sowie leicht salzhaltige und dazu - je nach Windrichtung - reine Luft aus. Das bringt bei Atemwegserkrankungen einen sekretolytischen Effekt. Bedeutet: Schleim löst sich und kann abgehustet werden. Ein weiterer Vorzug Mecklenburg-Vorpommerns: In unmittelbarer Nähe des Meeres finden sich Wälder. Hier kann man bei Bedarf dem Wind ausweichen und zugleich die gesunde Waldluft einatmen. Grundsätzlich gilt bei Atemwegserkrankungen, dass ohnehin jeder Klimawechsel in ein Reizklima positive Effekte bringt.

Stichwort Klima. Was genau ist eigentlich eine Klimatherapie?

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: Bei einer Klimatherapie setzt man sich dem Reizklima gezielt und bewusst aus. Eine Klimatherapie besteht aus den drei Elementen klimatische Terrainkur, Frischluftliegekur und Heliotherapie. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, kommt es darauf an, diese Therapieformen entsprechend der Indikation individuell zu kombinieren. Richtig dosiert bringen körperliches Training, gezielter Einsatz von Klimafaktoren, Erholung und begleitenden physikalisch-therapeutischen Maßnahmen Erfolge. Weiterführend verbindet Thalassotherapie die Elemente einer Klimatherapie mit den Anwendungen des Meeres.

Lässt sich die Wirkung der Klimatherapie wissenschaftlich nachweisen?

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: Ja. Zahlreiche Studien belegen, dass die Klimatherapie eine ganzheitliche Wirkung auf den gesamten Organismus entfaltet. Sie lindert nicht nur Atemwegserkrankungen, sondern fördert die allgemeine Gesundheit und die Abwehrkräfte. Auch für die einzelnen Klimafaktoren ist deren Wirksamkeit eindeutig nachgewiesen. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass Belastungs- bzw. Reizphasen und Erholungs- bzw. Regenerationsphasen entsprechend der individuellen Indikation geplant und richtig dosiert umgesetzt werden. Wer sich also eine Linderung von Atemwegsbeschwerden erhofft, ist mit einem ausgebildeten Klimatherapeuten an seiner Seite gut beraten. In Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Vielzahl zertifizierter Seeheilbäder und Seebäder gibt es da ein breites Angebot. Übrigens eignet sich die Klimatherapie nachweislich auch zur Prävention im Bereich Herz-Kreislauf- oder Haut-Erkrankungen, bei Gelenkschmerzen, Adipositas sowie vielen weiteren Indikationen. Nicht zuletzt reduziert eine Klimatherapie die Infektanfälligkeit.

Und wer auf eigene Faust an der Ostsee unterwegs ist …

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: … sollte es langsam angehen lassen und seinem Körper Zeit geben, sich an das Reizklima zu gewöhnen. Sich richtig im Klima zu verhalten, bedeutet in den kühleren Monaten: sich warm anziehen und das Nasen-Mund-Rachen-Dreieck sowie die Füße warmhalten. Am besten beginnt man mit einem kurzen Spaziergang und schützt sich vor dem Wind. Nach und nach kann man sich dann mehr zutrauen und auch mal barfuß im Sand laufen. Vor allem wer unter Asthma oder Bronchitis mit gleichzeitiger Pollenallergien leidet, sollte sich auf jeden Fall für einen Aufenthalt direkt an der Küste entscheiden. Bei stark ausgeprägter Atemwegserkrankung und im Spätherbst oder Winter könnte der Reiz zu stark sein, so dass man dann besser im Hinterland aufgehoben ist oder ins Waldklima wechselt, das die Reize der Meeresluft kompensiert.

Sehen Sie in Heilwäldern einen wirksamen Therapieansatz für Atemwegserkrankungen?

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: Die Waldtherapie ist im Kommen, steckt deutschlandweit und auch in Mecklenburg-Vorpommern allerdings noch in den Kinderschuhen. Studien aus Japan und anderen asiatischen Ländern zeigen vielversprechende Ansätze. Aus meiner Sicht bietet das Konzept „Heilwald“ viel Potenzial, gerade auch für Atemwegserkrankungen. Die Bäume helfen die oberen Atemwege und Bronchien zu entlasten. Hier werden sich in Zukunft interessante Therapiemöglichkeiten entwickeln. Wir forschen in München auch auf diesem Gebiet.

Gibt es regionale Anbieter in Mecklenburg-Vorpommern, mit denen Sie gemeinsam Kur- und Reha-Konzepte entwickelt haben?

Prof. Dr. Dr. Angela Schuh: Eine enge Zusammenarbeit im Bereich Klimatherapie pflege ich seit Jahren mit der Ostsee-Kurklinik Fischland in Wustrow und dem Hotel Neptun in Warnemünde. Außerdem leite ich regelmäßig Fortbildungskurse für Klimatherapeuten und Kurärzte in Mecklenburg-Vorpommern, wovon zahlreiche Kur- und Reha-Einrichtungen im Bundesland profitieren. Darüber hinaus stand ich dem Bäderverband bei der Entwicklung der Konzeption für die Heilwälder beratend zur Seite.

Wirkung des milden Reizklimas in Mecklenburg-Vorpommern

Kur- und Reha-Maßnahmen für Atemwegserkrankungen kombinieren in der Regel Bausteine aus Schulmedizin, Naturheilkunde, Patientenschulungen, Erholung und Klimatherapie. So entfaltet ein Kururlaub seine Wirkung auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Dass das milde Reizklima der Ostseeregion zum Genesungsprozess bei Atemwegserkrankungen, Schnarchen oder Schlafstörungen beiträgt, belegen einige wissenschaftliche Studien. Klimatologen, Mediziner und andere Wissenschaftler befassen sich seit Jahrzehnten mit der Wirkung unterschiedlicher Klimaaspekte auf den menschlichen Organismus und untersuchen dabei Heilklimazonen - unter anderem die Küstenregionen an Nord- und Ostsee. Von Kostenträgern in Auftrag gegebene Studien weisen zudem nach, dass berufliche Fehlzeiten wegen Atemwegserkrankungen nach einer stationären Heilbehandlung in Kurorten am Meer zurückgingen. Auch entsprechende Empfehlungen unterstreichen den medizinisch-therapeutischen Nutzen eines Kururlaubs in der Küstenregion.

KONZEPT ZUR STATIONÄREN REHABILITATION VON KINDERN UND JUGENDLICHEN BEI DER INDIKATION ASTHMA BRONCHIALE, VERBAND DEUTSCHER RENTENVERSICHERUNGSTRÄGER:

"Die Klimatherapie mit Allergen- und Schadstoffarmut stellt einen festen Bestandteil der Rehabilitation des Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter dar, die für sich alleine schon eine Verbesserung des Krankheitsbildes zur Folge haben kann."

PROF. WOLFGANG MENGER, PNEUMOLOGE:

"Die günstige Wirkung des maritimen Aerosols macht sich auf See, bei Fahrten mit kleinen Schiffen, besonders stark bemerkbar. So fanden wir bei Kindern ohne Asthma bronchiale eine Steigerung des Atemstoßes gegenüber der Messung im Haus um 7 Prozent, bei gleichalten Jungen mit Asthma bronchiale bereits um 33 Prozent“. Stichprobenstudie „Telemetrische Untersuchungen zum Nachweis des sekretolytischen Effektes der Brandungszone bei Kindern mit Asthma bronchiale."

Asthma: Durchatmen am Meer wirkt Wunder

In Deutschland leiden rund sechs Millionen Menschen an Asthma. Damit gehört die Krankheit zu den häufigsten überhaupt. Für Betroffene und Angehörige ist es vor allem zu Beginn der Diagnose eine komplette Umstellung. Diverse Sprays und Inhalatoren werden zum ständigen Begleiter und lebensnotwendig. Denn unbehandelt kann die Krankheit im schlimmsten Fall tödlich enden.

Achten Sie auf Ihre Gesundheit

Schon leichter Heuschnupfen kann mit zunehmendem Alter zu Asthma führen – daher ist es wichtig, auf die Warnzeichen des eigenen Körpers zu hören und frühzeitig zu handeln. Doch was tun, wenn die Luft weg bleibt? Medikamente können zwar Abhilfe schaffen, aber bekämpfen nicht den eigentlichen Reiz, wie beispielsweise Pollen und Gräser. Eine Reise an die Ostsee kann hier wahre Wunder bewirken. Das Meerwasser ist mit einem hohen Jod-, Magnesium- und Salzgehalt angereichert – vor allem Atemwegserkrankungen werden dadurch gelindert. Wenn die Gischt von der Ostsee spritzt und die Luft damit hoch konzentriert ist, kommt schon ein entspannter Spaziergang einer Inhalation sehr nah. Die Atemwege werden frei und man kann wieder richtig durchatmen. Außerdem weht der Wind überwiegend vom Meer aus landeinwärts und somit haben Pollen und andere Reize kaum eine Chance, den Patienten zu tangieren.

Mildes Reizklima tut gut bei Asthma

Beim Reizklima treffen besondere klimatische Bedingungen zusammen, die die Gesamtaktivität des Körpers reizen. Das Immunsystem wird angeregt und Ihr Körper fängt an gegen Erkrankungen zu arbeiten. In der Medizin spricht man von einem „Heilfaktor“, der sich einstellt. Beispielsweise werden anfängliche Hustenanfälle schon nach kurzer Zeit durch eine umfassende Erweiterung der Bronchien abgelöst. Zum Reizklima gehören starke Winde, große Temperaturunterschiede, UV-Strahlung und natürlich die frische Meeresluft. Das belebt Lunge und Schleimhäute und wirkt sich wohltuend auf Ihre Gesundheit aus.

Weitere Informationen

Von Oktober bis Mitte März findet man an der Ostsee die reinste Luft. Viele der ansässigen Kliniken haben sich auf die Bedürfnisse von Heuschnupfen-, Asthma- und Neurodermitis-Patienten eingestellt. Außerdem können Urlauber bei ausgedehnten Strandspaziergängen entspannen und die unberührte Natur genießen, die Mecklenburg-Vorpommern zu bieten hat.

Angebote bei Atemwegserkrankungen

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