• Dr. med. Peter Kupatz, © Dr. med. Peter Kupatz
    Dr. med. Peter Kupatz

Schmerzen im Knie: Wann eine Meniskus-OP nötig ist

Die Arthroskopie (Spiegelung) zur Behandlung des Meniskus ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in Deutschland. Ziel dieses Eingriffes ist es, das Kniegelenk wieder schmerzfrei und belastbar zu machen. Nach Möglichkeit wird dabei versucht, die normalen anatomischen Verhältnisse so gut wie möglich zu rekonstruieren. Aber: Auch bei länger anhaltenden Schmerzen im Knie ist nicht unbedingt eine Operation nötig. In bestimmten Fällen ist eine Therapie ohne OP ausreichend.

 
Wird in Deutschland zu viel operiert?

„Das kann man so pauschal nicht sagen“, sagt Dr. med. Peter Kupatz, Betreiber einer Praxis für Orthopädie und Sportmedizin in Bad Doberan. „Man muss sich immer anschauen, welche OP bei welcher Erkrankung vorgenommen wird. Wir haben hierzulande ein relativ 'hochgezüchtetes' Gesundheitswesen mit vielen Angeboten, welches schnelle Entscheidungen ermöglicht. Während man in Großbritannien zum Beispiel drei Monate auf ein künstliches Kniegelenk wartet, ist ein Eingriff hierzulande oft innerhalb von zwei Wochen möglich.“

Operation oder nicht?

Über den Nutzen einer Meniskus-OP gehen die Meinungen gerade unter Betroffenen auseinander. Manche argumentieren, dass jeder Meniskusriss eine Operation nötig mache. Fast ebenso oft wird dagegen gehalten, dass in vielen Fällen von Meniskusverletzungen eine Operation nicht nötig sei. Dr. Kupatz erklärt, dass es auf die Art der Verletzung ankomme. „Hier muss man schon unterscheiden: Liegt ein akuter Einriss vor, zum Beispiel beim fußballspielenden jungen Erwachsenen oder handelt es sich um eine Meniskusdegeneration bei einem älteren Arthrosepatienten – da unterscheiden sich die Operationsindikationen massiv.“

„Bestimmte Erkrankungen erfordern ein operatives Vorgehen“, so Dr. Kupatz weiter. „Wenn eine klare Operationsindikation vorliegt, müssen verschiedene Aspekte zusammen betrachtet werden. Dazu gehören immer erst die Anamnese, also die Schilderung der Beschwerden, sowie eine klinische Untersuchung. Schließlich erfolgt die geeignete Bildgebung und dann – wenn nötig – die Empfehlung für oder gegen eine Operation. Die Entscheidung muss dann der Patient treffen.“

Individuelle Einschätzung nötig

Fest steht, dass die Behandlungsmethode bei einer Meniskusläsion von verschiedenen Einflussfaktoren abhängt, die anhand der „Leitlinie Meniskuserkrankung“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) bewertet werden können. Die Wahl der Therapieform richtet sich nach der Stärke der Schmerzen, dem Alter des Patienten und den Anforderungen an die Belastbarkeit der Menisken. Jeder Patient ist anders. Und so muss die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff immer individuell getroffen werden. Dr. Kupatz erklärt es an folgendem Beispiel: „Haben wir es mit klaren Zuordnungen von Beschwerden, Untersuchungsbefunden und der Bildgebung zu tun, dann ergibt sich oft sehr genau die Antwort auf die Frage 'konservativ oder operativ?'.

Zwei Beispiele für das Kniegelenk:

Dr. Kupatz: 1. Ein 25-jähriger Patient klagt seit einem Verdrehtrauma beim Fußballspiel vor zwei Wochen über fortbestehende Schmerzen am Innengelenkspalt des linken Kniegelenkes. Die klinischen Meniskustests sind eindeutig positiv. Im MRT ist ein Korbhenkelriss des Innenmeniskus dargestellt. Hier ist die Operation (Arthroskopie) primär angezeigt.

Dr. Kupatz: 2. Ein 25-jähriger Patient klagt seit vier Wochen über einen Schmerz an der Innenseite des linken Kniegelenkes. Ein Umknicken des linken Sprunggelenkes sei 14 Tage vorher beim Fußballspielen aufgetreten. Es bestehen eine Einschränkung der Knieüberstreckung sowie ein lokaler Druckschmerz am Innengelenkspalt und am Innenbandansatz. Von den geprüften Meniskustests sind vier negativ und zwei positiv. Der Radiologe findet im MRT eine Veränderung, die er als Riss des Innenmeniskus deutet. Hier ist die Operation nicht prioritär, wie der weitere Verlauf auch bestätigt: Der behandelnde Orthopäde verordnet zunächst sechsmal Krankengymnastik zur Beseitigung des Streckdefektes. Der Physiotherapeut behandelt eine Beckenfunktionsstörung des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes (Iliosakralgelenk) links sowie eine Blockade des linken unteren Sprunggelenkes, die nach dem Fußballtrauma eingetreten und für die Kniebeschwerden verantwortlich war. Der Patient wird rasch beschwerdefrei - und bleibt es auch.“

Vor der Entscheidung zu einer Operation, sollten Alternativen sorgfältig überdacht werden, da Operationen am Knie durchaus risikobelastet sind. Dies betrifft sowohl Folgebeeinträchtigungen am Gelenk, als auch das Infektionsrisiko. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt ausführlich beraten oder holen Sie sich gegebenenfalls eine zusätzliche Meinung (Zweitmeinung) ein.

„Ich bin ein Fan von Zweitmeinungen“, so Kupatz, „unser Gesundheitswesen ist heute so hoch spezialisiert, dass man sich problemlos eine zweite medizinische Meinung einholen kann. Der Gesetzgeber hat ebenfalls darauf reagiert und den Weg geebnet, damit Patienten vor bestimmten Operationen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung - also ohne diese privat zahlen zu müssen - eine Zweitmeinung einholen können.“

 

Schmerzen sind Alarmsignale des Gehirns

 
Mit Bewegung Muskeln und Gelenke fit machen

Mecklenburg-Vorpommern bietet für eine wirksame Schmerztherapie aber noch mehr als ausgewiesene Spezialisten und natürlich vorhandene Heilmittel. Denn wer an chronischen Rückenschmerzen, Fibromyalgie, Migräne oder anderen chronischen Schmerzen leidet, findet inmitten abwechslungsreicher und oft naturbelassener Landschaften vielfältige Anreize zur aktiven Bewegung. Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren kräftigen nicht nur Muskeln und Gelenke. Ausflüge entlang der Ostseeküste oder in der Mecklenburgischen Seenplatte verschaffen unvergessliche Naturerlebnisse und viele neue Eindrücke, um so auch die psychischen Belastungen chronischer Schmerzen zu lindern.

Mit chronischen Schmerzen umgehen

Geht das wieder weg - oder sind das schon chronische Schmerzen? Diese Frage steht vor jeder Schmerztherapie. Als grundlegende Unterscheidung ob bereits um eine Schmerzerkrankung vorliegt gilt: Während akuter Schmerz „nur“ den Körper betrifft, wirkt sich chronischer Schmerz bei Arthrose, Fibromyalgie und Co. ebenfalls auf die Psyche und das soziale Umfeld aus.

Akut oder chronisch?

Äußere oder innere Prozesse wie Verletzungen oder Entzündungen können akuten Schmerz auslösen, der zeitlich begrenzt, eindeutig lokalisiert und gut behandelbar ist. Doch akuter Schmerz kann auch länger andauern und in chronischen Schmerz übergehen. Bei chronischem Schmerz lässt sich der betroffene Bereich jedoch oft weniger konkret beschreiben. Beispielsweise durchzieht der Schmerz bei der einer Erkrankung wie der Fibromyalgie immer wieder andere Regionen und betrifft dabei die Muskulatur ebenso wie die Gelenke oder den Rücken. Nicht selten begleiten chronischen Schmerzen aber auch Nebenwirkungen wie Schlaf- oder Angststörungen, Konzentrationsschwäche oder Antriebslosigkeit. Zusätzlich verstärkt das zeitliche Fortschreiten der Schmerzerkrankung Wechselwirkungen im gesamten Organismus, wodurch die Schmerzempfindlichkeit zunehmend erhöht wird bzw. die Schmerztoleranz immer weiter sinkt.

Chronifizierung des Schmerzes

Zur Abgrenzung zwischen akuten und chronischen Schmerzen sowie zur Erfassung des Schweregrades einer Schmerzerkrankung nutzen Ärzte und Therapeuten die „Klassifikation nach Gerbershagen“. Dieses Schema beinhaltet fünf Achsen mit einer weiteren Unterteilung in jeweils drei Stadien.

Der erste Themenbereich setzt sich mit zeitlichem Verlauf, Intensität und Dauer der Schmerzzustände auseinander. Es folgen Fragestellungen nach Lokalisation und eindeutiger Zuordnung des Schmerzes, individuellen Verhalten bei der Medikamenteneinnahme, Art und Umfang der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe sowie nach familiären Strukturen und Stabilität des sozialen Umfeldes. Diese Gesamtschau liefert Spezialisten entscheidende Ansätze zur Gestaltung einer wirkungsvollen Schmerztherapie.

Deutscher Schmerzfragebogen

Als größte europäische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz entwickelte die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. den „Deutschen Schmerzfragebogen“. Dieser ergänzt die medizinischen Befunde in Vorbereitung einer Therapie bei chronischem Schmerz. Dabei werden chronische Schmerzen als multidimensionaler Komplex verstanden und somatische, psychische und soziale Faktoren erfasst. Außerdem berücksichtigt der Fragebogen zur umfassenden Analyse der Schmerzsituation auch Aussagen zum subjektiven Schmerzempfinden, persönlichen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Stressbelastungen und sozialen Umfeld.

 

Angebote für chronische Schmerzen

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