• Toben auf dem Gelände des Gutshauses Gramkow, © TMV/Mallan
    Toben auf dem Gelände des Gutshauses Gramkow

Ostseeluft schnuppern

Wie eine Familie aus Hessen familienfreundlich zertifizierte Hotels und Freizeitanbieter an der Ostseeküste testet und die Antwort auf die Frage, ob es echte Piratenschiffe gibt ...

Gutshaus Gramkow

Warum Gramkow? Gramkow liegt im westlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern, was uns die Anreise erleichterte. Dieses schöne historische, aber auch modernisierte Gutshaus hatte es mir gleich angetan. Mein erster Gedanke war, du möchtest dieses Haus mit eigenen Augen sehen und natürlich reingehen und erkunden. Es hat in mir Bilder von früher hervorgerufen. Wie war es wohl, als früher die Gutsbesitzer hier lebten? Es hat in mir Neugier geweckt. Hier möchtest du sein, das ist mal etwas Anderes.

Die Homepage des Gutshauses Gramkow ist schön, übersichtlich und einfach gehalten. Wenn man auf Anfrage klickte, konnte man mit Angabe weniger Daten und einem individuellen Text, Familien-Größe, in welcher Ferienwohnung, Urlaubszeitraum, eine Anfrage stellen. Die Antwort folgte schnell und prompt buchten wir auch.

Alles gepackt, alles bereit -  es ging los. Wäre da nur nicht das Wetter, das macht, was es will. Wir haben Ende März und es musste nochmal schneien. Die Straßen vereist, Vorsicht war geboten. Aber die Autobahn war frei geräumt, sodass wir problemlos gefahren sind. Die Sonne schien enorm. Ein schöner Wintertag eben. So wie man es sich vorstellt, kurz vor Ostern …

Nach 640 Kilometern und sechs Stunden Fahrtzeit sind wir angekommen. Unser Navi sagt: „Rechts abbiegen, nach zwei Minuten“, sagt es und dann „auf der rechten Seite befindet sich ihr Ziel.“ Wir sahen einen kleinen Parkplatz, fuhren darauf zu und dachten: „Ok, hier sind wir auf dem Land“. Schon bald kam die Gutsbesitzerin. Sie hatte uns schon erwartet, denn wir sind zur richtigen Zeit angekommen, um 16 Uhr. Sie war sehr freundlich, erklärte uns das Wichtigste und sagte den Kindern, dass die Tiere (Pferde, Schafe, Enten, Gänse, Hund und Kaninchen) sie schon erwarten. Mit dem Schlüssel zur Ferienwohnung sind wir gleich erstmal rein und haben uns alles angeschaut. Die Ferienwohnung ist groß, 3 Zimmer. Es ist alles Wichtige vorhanden. Die Küche ist sehr gut ausgestattet. Eine Spülmaschine, eine Waschmaschine, Geschirr, Töpfe etc.

Dann sind wir in den nächsten Ort zum Einkaufen gefahren (fünf Kilometer). Wieder zurück, war es schon Abend. Wir hatten keine Lust etwas zu kochen. Das Restaurant "Alter Speicher" auf dem Gutshof hatte geschlossen, denn wir hatten Vorsaison. Wir beschlossen also auf Empfehlung, nach Wismar zum Essen zu fahren und landeten am Hafen von Wismar. Ein Restaurant mit gläsernem Wintergarten, aus dem Licht leuchtete, zog uns an – das „Gottfrieds“. Ein freundlicher Kellner kam zu uns und bot den Kindern erstmal Blatt und Stifte an. Wir bestellten unser Essen. Für die Kinder gab es Matjes mit Bratkartoffeln und Bohnen mit Speck. Mein Mann bestellte Matjes nach Hausfrauen Art. Für mich gab es gegrillte Heringe mit Salzkartoffeln und einem Preiselbeer–Joghurt-Dip. Das Essen hat uns gut geschmeckt. Für so ein tolles Essen mit Getränken haben wir 50 Euro bezahlt, was völlig akzeptabel ist. Ich erinnere mich gerne an dieses Restaurant zurück. Tatsächlich haben die Kinder den Matjes nicht gegessen, weil sie ihn nicht gewohnt waren. Na ja, frischer Fisch, butterzart und nicht übersalzen. Für Kinder, die Supermarkt-Fisch gewohnt sind, eine neue Erfahrung ...

Am nächsten Morgen waren wir aufgeregt, was uns an diesem Tag erwarten würde. Um 08.30 Uhr gab es Frühstück fand im Restaurant „Alter Speicher“ - circa 100 m von unserer Ferienwohnung entfernt. Dort angekommen war schon alles gedeckt. Es gab eine gute Auswahl, sehr leckeren Kaffee und genau richtig zubereitete Eier. Wenn man vom Tisch aus nach rechts schaute, erblickte man aus der großen Glasfront die Schafe auf ihrer Wiese. Es war idyllisch.

Nach dem Frühstück sind wir raus, den Gutshof erkunden. Der Gutshof hat so einiges zu bieten. Tiere, die man beobachten kann. Einen Pferdestall mit Kaninchenstall, Schafe, Pferde, Enten und Gänse. Einen größeren Teich. Einen großen alten Weidenstamm, der zum Klettern einlud und einen Spielplatz. Die Kinder waren gerne bei den Kaninchen und fütterten sie mit Karotten. Der schwarze Hund der Gutsbesitzerin war auch immer von der Partie. Man konnte ihn streicheln. Später spielten die Kinder sogar Stöckchen mit dem Hund.

Zwei Kilometer vom Gutshof entfernt ist schon die Küste. Kurz konnten wir uns dort aufhalten, denn wir hatten furchtbar kalten Wind, es war grell sonnig, die Brandung hatte Eis.

Später sind wir noch nach Wismar gefahren und am Hafen entlang spazieren gegangen. Wir entdeckten Fischstände, Möwen und Schiffe, die im Hafen standen. Ganz am Ende vom Hafen ließen wir uns in einer italienischen Eisdiele nieder. Satt vom leckeren Eis, verließen wir die Eisdiele und sahen in der Entfernung ein Piratenschiff. Es war groß und aus dunklem Holz, man konnte es besteigen und entdecken. Unsere Kleine (Tamina) bekam erst einmal Angst, weil sie dachte auf dem Schiff wären "Wickie und die starken Männer". Sie hatte sich jedoch gefasst und wir sind doch noch aufs Schiff.

An einem Abend haben wir uns ein Abendessen im Restaurant (Alter Speicher) vorangemeldet. Um 18 Uhr fanden wir uns dort ein. Es gab Wild-Gulasch mit Bandnudeln und Champignon-Rahm. Für die Kinder gab es bunte Nudeln mit roter Tomatensauce. Das Essen war frisch und lecker. Die Tomatensauce war selbst gemacht, was man schmeckte. Das Wild-Gulasch war sehr zart und lecker. Es war vom eigenen Hof bzw. regional. Für mich war es im Nachhinein das beste Essen des ganzen Urlaubs. Zufrieden gingen wir in unsere Ferienwohnung, vorbei an den Gänsen, die gleich schnattern, weil sie vermeintliche Gefahr witterten.


Erlebnisbad Wonnemar Wismar

Am vorletzten Tag sind wir in das Erlebnisbad Wonnemar in Wismar gefahren. Dort angekommen lösten wir unseren Gutschein (Ganztageskarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder für 75 Euro) ein, was problemlos möglich war. Wir bekamen unsere Armbänder und uns wurde erklärt, wie wir reinkommen. Wir nahmen uns zwei Kabinen und zogen uns um. Die Schränke waren mit dem Armbandchip zu öffnen und schließen, was sehr praktisch war. Zuerst hielten wir uns lange im Kinder-Becken auf. Es war angenehm warm und hatte eine nette Leuchtturm-Rutsche für die Kinder. Positiv aufgefallen ist mir, dass direkt neben dem Becken eine zusätzliche Toilette und Wickeltisch für Kinder vorhanden waren. Später waren wir im Wellenbecken, im Außenbecken und wir sind gerutscht. Mein Mann erkundete die Sauna-Landschaft und war mit der Auswahl sehr zufrieden. Irgendwann bekommt jeder mal Hunger und wir sind ins Wonnemar-Restaurant gegangen. Man kann es im Innenbereich des Bades besuchen oder im Außenbereich, nach dem Check-Out. Direkt am Eingang des Restaurants stand eine große übersichtliche Kinder-Menükarte. Ok, das Essen ist Fertigware und nicht selbst gemacht, aber das haben wir auch nicht erwartet. Trotzdem gibt es auch fleischlose Kost, etwa eine Ofenkartoffel mit Quark und Salat. Der Salat war frisch und es gab dreierlei Dressings zur Auswahl. Nach dem Essen gingen wir noch weiter planschen. Irgendwann hat jeder genug und wir wollten gehen. Wir nahmen unsere Handtücher aus den geräumigen Fächern und gingen zu den Duschen. Der Toilettenbereich war sauber und wurde auch in unserer Anwesenheit geputzt. Nach dem Duschen und Anziehen sind wir zum Checkout und lösten unseren Restaurant-Gutschein ein. Er wurde problemlos akzeptiert.

Dorfhotel Boltenhagen

Warum Boltenhagen? Boltenhagen liegt nicht weit weg von Gramkow, nur eine halbe Stunde weiter westlich. Die Bilder auf der Homepage hatten es uns angetan. Direkt im Hafen gelegen, mit Blick aufs Meer. Das Hotel so schön gelegen. Auch die Bilder im Inneren, mit Kinderräumlichkeiten und Hallenbad. Es ist etwas Anderes im Vergleich zu Gramkow, aber genau der Wechsel machte die Neugier und ebenso die Vorfreude, auf das was uns erwarten wird.

In Boltenhagen angekommen merkten wir, dass der Ort aus einer sehr langgezogenen Touristenstraße besteht, an deren Ende das Dorfhotel Boltenhagen lag. Wir hielten im Rondell und ich ging zur Rezeption. Freundlich wurde mir alles erklärt. Wir fuhren auf den Parkplatz und konnten mit Bollerwagen, die fürs Gepäck bereitstehen, unsere Sachen zum Haus fahren. Im Appartement angekommen, merkten wir gleich, dass wir hier weniger Platz haben. Ca. 35 qm mit einem Schlafzimmer und im Wohnzimmer einer Klappcouch für die Kinder. Das Wohnzimmer ist ein offener Raum mit Küche. Das Bad war aufgeteilt in WC und Dusche. Leider fehlte im Bad ein Hocker, somit kam das kleine Kind nicht an das Waschbecken. Aber wir hatten einen Balkon, von dem man auf die Ostsee blicken konnte.

Am nächsten Tag liehen wir für die Kinder ein Fahrrad, ein Laufrad und zwei Helme für 16 Euro. Wir machten eine große Runde und entdeckten dadurch Neues. Wir gingen die Promenade entlang, in die andere Richtung, parallel zu einem anderen Hotel. Dort gab es einen Hofladen mit dazugehörigem Restaurant (Fischereihof Kamerun). Auch Fischbrötchen wurden verkauft, nur leider war das nicht ausgeschildert. Ein Tourist, der an die See fährt, möchte doch schnellstmöglich, am liebsten als erstes ein frisches Fischbrötchen essen.

Der vorletzte Tag war angebrochen und wir wollten noch so Einiges unternehmen. Wieder gingen wir zum Frühstück (Halbpension) und freuten uns schon sehr darauf. Das Frühstück im Dorfhotel Boltenhagen ist schon am Morgen ein absolutes Highlight. Das Buffet ist sehr reichhaltig. Sogar ein Kinder-Buffet auf Kinderhöhe wartet auf die kleinen Gäste. Dazu Kinder-Geschirr aus Melamin. Es gibt Kinderstühle und eine Kinder-Spielecke, in die die Kinder schon mal gehen können, wenn die Eltern mit dem Frühstücken noch nicht fertig sind. Die ganze Zeit während des Essens sind die Kellner sehr aufmerksam und räumen immer wieder fertig benutztes Geschirr von den Tischen. Am Eingang gibt es eine Erwachsenen- und Kinder-Garderobe und eine Eckbank für die Kinder. Toiletten sind natürlich auch vorhanden. Sie sind sehr emanzipiert eingerichtet, denn sowohl auf der Damen-, als auch auf der Herren-Toilette gibt es einen Wickeltisch. Leider wurde hier auch wieder der Hocker vergessen, sodass die Kinder nicht ans Waschbecken kamen.

Schon vorab hatten wir vereinbart, dass die Kinder nach dem Frühstück in den Kindergarten gehen. Eine sehr liebevolle, neuwertige Einrichtung mit genügend Personal. Zwei Stunden lang hatten unsere Kinder eine tolle Zeit. Der Kindergarten hat bis 18 Uhr geöffnet und geht mit den Kindern auch zum Mittagessen (Vorher anmelden, Kosten 5 €). Um 15 Uhr wollte Milena nochmal in den Kindergarten zur Indianerparty. Wir sind mit Tamina schwimmen gegangen. Das Schwimmbad war klein und schlicht und hat zwei Saunen. Das Kleinkinder-Becken war mir persönlich etwas zu kalt.

Am Abend wollten wir im Restaurant Kamerun essen gehen. Dort angekommen war es schon ausgebucht und wir bekamen keinen Tisch mehr - wohlgemerkt:  in der Vorsaison. Somit sind wir zurückgelaufen zum Dorfhotel. Dort wollten wir zuerst nicht essen gehen, weil auf der Karte am Eingang keine Kindergerichte, außer Suppen für Kinder darauf standen. Wir sind dann aber trotzdem hineingegangen. Kaum am Tisch platzgenommen, bekamen die Kinder gleich ein schönes Platzdeckchen mit einem Bild zum Ausmalen und eine Karte mit Kindergerichten, die an der Seite aufgelistet waren. Das hatten wir nicht erwartet. Unser Essen war ganz lecker, trotzdem war fast das ganze Essen Tiefkühlkost. Im Laufe des Aufenthalts im Dorfhotel hatte ich auch an der Rezeption nach einem Hocker für unser Kind gefragt, der allerdings nicht geliefert wurde. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich auch die richtige Zimmernummer angegeben hatte.

Am Nächsten Morgen hieß es dann Adieu. Wir gingen zur Rezeption und reichten unseren Gutschein ein. Allerdings wurden wir in nicht gerade freundlichem Ton darauf hingewiesen, dass wir unseren Gutschein schon bei der Anreise hätten vorzeigen sollen. Doch irgendwann hatte sich die Mitarbeiterin beruhigt und es ging doch schneller, als sie dachte.

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