Filmvorführung und Gespräch
Filmvorführung und Gespräch
Die DDR war eine Art Insel. Da die Welt drum herum nicht besucht werden konnte, traten Künstler, Intellektuelle, aber auch „ganz normale Bürger“ die Flucht ins Innere an: die Flucht auf einen Elbdampfer. Sie bestiegen ein Schiff der Träume, ohne Steuermann, ohne Gesetze, ohne Ziel. Ein Schiff, dessen Existenz möglicherweise der Fantasie der Passagiere entspringt. Denn heute kann niemand mehr wissen was Fantasie und was Wirklichkeit war…
Die Idee für diese Fluchten in eine Welt außerhalb aller DDR-Realitäten hatte der Ahrenshooper Orgelbauer Kristian Wegscheider. Seine Liebe zur Oper und zu den schönen Künsten veranlasste ihn 1986 erstmals dazu einen Dampfer zu mieten und mit einem erlesenen Kreis von fröhlichen „Aussteigern“ einen Tag zu verbringen wie in einem italienischen Film. Als Inspiration diente Frederico Fellinis „Schiff der Träume“. Wegscheider hatte sich so geärgert, dass Fellinis Film nicht in der DDR zu sehen war, dass er die Szenerie kurzerhand selbst nachstellte, mit Opernsängern und Musikern an Bord.
Fotos, private Filmaufnahmen und natürlich die Aufzeichnungen in Stasiakten dokumentieren die wundersamen Reisen des Kristian Wegscheider.
Kristian Wegscheider und seine Frau Britta Schwarz werden nach der Filmvorstellung (44 min.) noch mehr zu diesen „Reisen“, die in der DDR eigentlich unmöglich waren, erzählen. Diese Reisen sind der Beweis dafür, dass die Lust am Üppigen, Knallbunten, Übertriebenen und Lauten im Osten sehr lebendig war.



