Lesung und Gespräch mit Ernst Pradel über Flucht, Vertreibung und Integration nach dem Zweiten Weltkrieg in Mecklenburg-Vorpommern. Persönliche Schicksale und historische Entwicklungen verbinden sich zu einer eindrucksvollen Annäherung an ein oft vergessenes Kapitel deutscher Geschichte.
Samstag, 30. Mai 2026, 19 Uhr, Bibliothek Damgarten
Ernst Pradel „Dort im Osten, dort irgendwo“
Lesung & Gespräch
Heutige politische Entwicklungen sind oft nur zu verstehen, wenn man zurück in die Geschichte blickt – nicht irgendwelche Jahreszahlen und Daten machen Geschichte, sondern in der Summe eine Vielzahl von Einzelschicksalen, mit dem Trauma der Vertreibung und Flucht aus ihrer Heimat, mit den Hoffnungen der Menschen auf ein besseres Leben, mit allen Anstrengungen zur Anpassung und Integration. Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern in kurzer Zeit nahezu verdoppelt, die Integration der erschöpften „Umsiedler*innen“, u.a. aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen, musste trotz Nahrungsmittelknappheit und weiteren Kriegsschäden improvisiert werden. Die
Vertriebenen, die die Flucht im frostigen Winter 1944/45 überlebten, waren oft traumatisiert und mittellos. Sie waren auf Hilfe angewiesen, kamen irgendwie, irgendwo unter, mit ihren Dialekten, ihren Verschiedenheiten, ihren kulturellen Heimaten. Der Rostocker Autor Ernst Pradel macht in seinem Buch auf ein Kapitel der deutschen Geschichte aufmerksam, das heute leider oft vergessen scheint. Er macht diese verstummten Stimmen der (Ur-)Großelterngeneration wieder hörbar und zeigt auf, dass unsere Gesellschaft heute aus dem Leid von Migration & Heimatlosigkeit entstanden ist. Ein literarisches & historisches Zeugnis von unschätzbarem Wert, das uns mehr Toleranz und Wertschätzung für die Biographien und Lebensleistungen anderer Menschen nahebringt. Die Geschichten, die Ernst Pradel erzählt, verbinden auf unnachahmliche Weise, die „große“ mit der „kleinen“ Historie, ohne in Klischees zu verfallen. Jüngste Geschichte zwischen den 1930er und 2000er Jahren in den mecklenburgischen Städten Waren/Müritz und Rostock wird anekdotisch erlebbar bzw. sie kann sich im Dargestellten selbst wiederfinden. Also kommen Sie mit auf eine Reise durch die Zeit, durch unsere nordostdeutsche Heimat, dort im Osten, dort irgendwo und finden wir Erklärungen für „das vererbte Trauma“ und neue Sichtweisen für aktuelle Debatten.
➢ Tickets: 7,00 Euro im VVK in den Bibliotheken, in der Tourist-Info oder online unter www.reservix.de (zzgl. VVK-Gebühr)
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