Eine Performance von Amanda Piña zu Ehren der Boddenfischer und des Meereslebens.
Zeremonie, Prozession und Choreografie – ein kollektives Ereignis im Stehrevier der Insel Ummanz.
Treffpunkt: Tiki Bar, Haide, 18569 Ummanz
Amanda Piña würdigt mit ihrer Performance das Wissen und die Arbeit der Boddenfischer und knüpft neue Beziehungen zum Meer und seinen Lebewesen. Denn die Küstenfischerei ist mehr als nur ein Wirtschaftszweig – sie ist altes Wissen und gelebte Praxis und wurde in diesem Jahr zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.
Das Werk entstand im Auftrag einer Gruppe von Bürger*innen – den Neuen Auftraggeber von Ummanz – und in Zusammenarbeit mit Michel Jimenez, Sinon Quilla und Federico Protto. Gemeinsam mit TogetherTogether Collective, Ron Alonso Berger, Jee Chan, Angela Muñoz Martinez, Mitgliedern von Perform[D]ance Stralsund und weiteren lokalen Akteur*innen wird es am 27. Juni 2026 erstmals aufgeführt. Es findet im Rahmen des mehrteiligen Projekts "Atlantic Undercurrent Circulation" von Amanda Piña für die "Neuen Auftraggeber von Ummanz" statt.
Die Insel Ummanz westlich von Rügen war über Jahrhunderte ein Zentrum der lokalen Küstenfischerei. Doch die steht nun vor dem Verschwinden – wie an vielen anderen Orten in Europa. Industrielle Großfischerei und Landwirtschaft sowie der Klimawandel gefährden das ökologische Gleichgewicht, die Fangquoten sinken und die wirtschaftliche Basis vieler selbstständiger Fischer bröckelt.
Das traditionelle Handwerk der „kleinen Küstenfischerei“ mit seinen nachhaltigen Fangmethoden ernährt die Fischer und ihre Familien kaum noch. Dabei ist die Küstenfischerei mehr als nur ein Wirtschaftszweig – sie ist ein jahrhundertealtes kulturelles Erbe, das die Insel und ihre Menschen maßgeblich geformt hat – ihre Sprache, ihren Alltag, ihre Traditionen. Im März 2026 wurde die kleine Küstenfischerei zum immateriellen UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz wollen die Küstenfischerei in den Blick rücken – mit einer künstlerischen Produktion, die ihre Geschichte, ihr Wissen und ihren Wandel erfahrbar macht. Die Küstenfischer eint ein tiefes Verständnis für ökologische Zusammenhänge und die Zyklen der Natur, handwerkliches Geschick und unternehmerisches Gespür. Mit dem Rückgang der Fischerei droht ihr über Generationen weitergegebenes Wissen zu verschwinden. Mit einem Kunstwerk sollen die Küstenfischer und ihre Familien für ihre Leistungen gewürdigt und ihre Bedeutung für alle erlebbar gemacht werden.
Für diesen Auftrag hat die Gruppe mit Amanda Piña die passende Künstlerin gefunden. In ihren Arbeiten macht sie unterdrücktes, verlorenes oder nicht gesehenes Wissen als Erfahrung für viele neu zugänglich. Seit 2014 erforscht sie im Rahmen ihres Langzeitprojekts Endangered Human Movements den Zusammenhang zwischen dem Verlust biologischer und kultureller Vielfalt. Ihre Recherche widmet sich überlieferten Bewegungspraktiken, die über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden und heute vom Verschwinden bedroht sind – darunter auch Gesten und Materialien, die mit Fischereitraditionen und dem Leben an der Küste verbunden sind.
Ihren Performances, Videos, musikalischen und skulpturalen Arbeiten liegt außerdem eine Haltung zugrunde, die nicht nur Menschen, sondern auch andere Lebewesen, Dinge, Landschaften oder Kräfte als Mitgestalter*innen einer gemeinsamen Welt begreift – und darüber nachdenkt, wie sich daraus neue Formen von Verantwortung und Gemeinschaft ergeben.
Amanda Piña arbeitet kollaborativ, auch an öffentlichen Orten und jenseits klassischer Bühnenräume. Für ihre performativen Arbeiten denkt sie immer auch Formen der Langlebigkeit mit. Mit einer sinnlichen, farbenfrohen und oft transmedialen Ästhetik, der Einbindung traditioneller Elemente und der Verbindung von lokalen mit globalen Fragen schaffen ihre Werke vielfältige, mitreißende Zugänge. Das entspricht einem Wunsch der Auftraggebergruppe: Die künstlerische Arbeit soll Alteingesessene, Zugezogene und Gäste gleichermaßen einbeziehen und auch zukünftige Generationen ansprechen. Sie soll außerdem mit Humor und Zuversicht arbeiten.
„Ich fühle mich diesem Auftrag sehr verbunden: In Mexiko und Chile, wo ich herkomme, sind Meeres-Ökosysteme und Küstenfischerei ebenfalls stark bedroht – allen voran von Rohstoffindustrien und Monokultur-Wirtschaft, die den Klimawandel vorantreiben. Das muss sich ändern.“ (Amanda Piña)
Die Künstlerin: Amanda Piña
Amanda Piñas Arbeiten wurden weltweit in Theatern, Museen und Kulturzentren präsentiert, darunter die Kunsthalle Wien, die Fondation Cartier pour l’art contemporain in Paris, das mumok in Wien, der deSingel Arts Campus in Antwerpen, Kunstenfestival des Arts in Brüssel, das Museo Universitario del Chopo in Mexiko und das GAM in Santiago de Chile. 2024 hatte Piña die Valeska-Gert-Choreografie-Professur an der Freien Universität Berlin inne und ist aktuell Beiratsmitglied des Studiengangs Kuratieren in den szenischen Künsten der Paris Lodron University Salzburg, der Freien Universität Berlin und von Szenische Forschung Bochum. Sie ist zudem Gründerin von Instituto Tropical, einer künstlerischen Initiative zu den Beziehungen von Kunst und öko-sozialer Transformation sowie von Fortuna – Verein zur Förderung nachhaltiger Kunst, unterstützt von der Kulturabteilung der Stadt Wien.
Der Projektträger: Kunstverein Rügen e. V. / Circus Eins Projekte
Lokaler Partner und Projektträger ist der Kunstverein Rügen e. V. / Circus Eins Projekte. Als Arbeitsbereich des gemeinnützigen Kunstverein Rügen e. V. initiiert und organisiert Circus Eins Projekte künstlerische sowie gemeinwohlorientierte Vorhaben im öffentlichen Raum und präsentiert Ausstellungen an wechselnden Orten auf und um Rügen und in Vorpommern. Der Kunstverein Rügen ist dem Modell Neue Auftraggeber seit langem verbunden: Leiterin Susanne Burmester ist Vorsitzende des Vereins für Kunst und Mediation im Bürgerauftrag e. V. und betreut als Mediatorin in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem den Ummanzer Auftrag. Der Kunstverein Rügen e. V. / Circus Eins Projekte ist zudem Partner von Art Living Lab to Repair the Land, einem Projekt von Neue-Auftraggeber-Initiativen in Deutschland, Spanien und Kroatien.
Das Programm: Tanz und Performance im Bürgerauftrag
Im Programm Neue Auftraggeber: Tanz und Performance im Bürgerauftrag der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber beauftragen Menschen ein Kunstwerk für ihr lokales Umfeld. Anlass ist immer ein dringliches gemeinsames Anliegen. Erfahrene Künstler*innen, Choreograf*innen und Tänzer*innen reagieren mit neuen Arbeiten darauf. Expert*innen für Kunst im Bürgerauftrag – die Mediator*innen – begleiten den Prozess auf dem gesamten Weg. Bis Ende 2027 entstehen deutschlandweit 14 Auftragsarbeiten im Bereich Tanz und Performance. Grundlage des Programms sind die zeit- und ergebnisoffenen Prozesse des Modells Neue Auftraggeber. Sie bieten Bürger*innen Strategien für aktuelle Herausforderungen – und zwar genau dort, wo sie gebraucht werden.



