Ausstellungseröffnung
Der Fotograf und Dokumentarfilmer Matthias Leupold (*1959) wuchs in Berlin-Prenzlauer Berg auf. Als er Anfang der 1980er-Jahre begann, als Fotograf in Ost-Berlin zu arbeiten, bekamen seine Werke schnell Aufmerksamkeit. Darauf folgten Zensur, Ausstellungsschließungen und Verhaftung – bis Leupold im Herbst 1986 legal nach West-Berlin übersiedelte.
Matthias Leupold nimmt biografisch und aufgrund seiner Arbeitsweise sowie der Hinwendung zu szenischer Fotografie und dem Film eine besondere Stellung innerhalb der fotografischen Landschaft ein. In seiner Arbeit erforscht er gesellschaftliche und individuelle Wirklichkeiten und unterzieht sie seinen visuellen Kritiken. Seine szenischen Fotografien und Bildarrangements folgen nicht nur historischen Vorbildern, sondern lösen sich wiederum von diesen in einer Art Bildreflexion bzw. Bildvision.
Die Serie „Aus dem Gruppenbuch der Christiane P." (2021) ein, in der Leupold auf seine Kindheit und Jugend in der DDR zurückblickt. Matthias Leupold erinnert sich in seinen szenischen Fotografien an seine Ost-Berliner Kindheit und Jugend in den sechziger bis achtziger Jahren unter den Bedingungen der Diktatur in der DDR und stellt die Kamera »in den toten Winkel jener Epoche«, wie Karl Corino seine Arbeitsweise 1995 treffend beschrieb.
Das Tragen von Uniformen – die der Pioniere, der Freien Deutschen Jugend, der paramilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik und schließlich der Nationalen Volksarmee – war für Leupolds Generation eine Selbstverständlichkeit. Die DDR-Nomenklatura versuchte durch die Kinder- und Jugendorganisationen sowie durch ständige Propaganda von Beginn an das Denken und Handeln ihrer jungen Bürger zu prägen.
Der »Titel Aus dem Gruppenbuch der Christiane P.« spielt u.a. auf das Aufgehen des Individuums in der Gruppe an. Wer sich nicht unterordnete, wurde vom System ausgespien: sei es die fallengelassene Goldmedaillengewinnerin oder sei es Matthias Leupold selbst, der 1982 wegen Nichtanzeige der Republikflucht eines Freundes in der Zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Hohenschönhausen einsaß. Hier erlebte er die Entpersonalisierung als systematisches Mittel der Unterdrückung Andersdenkender.
Matthias Leupold, 1959 in Ost-Berlin geboren, studierte ab 1986 an der Hochschule der Künste (heute UdK) und war ebendort Meisterschüler bei Prof. Ludwig Thürmer. Von 2007 bis 2014 war er Rektor der von ihm mitbegründeten BTK-Hochschule für Gestaltung in Berlin an deren Nachfolgeinstitution University of Europe for Applied Sciences er bis vor kurzem als Professor für künstlerische Fotografie und Dokumentarfilm unterrichtete. Leupold lebt und arbeitet in Berlin.
Zur Ausstellung erschien im Lukas-Verlag Berlin das Künstlerbuch „Das Gruppenbuch der Christiane P." Mit einem Text von Matthias Flügge.
Kuratorin: Petra Göllnitz/ Dr. Katrin Arrieta
Der Eintritt ist frei, die Ausstellung selbst kann vom 20. Juni 2026 bis zum 11. Oktober 2026 zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden.
Titel der Abbildung: "Pionierleiter"
Weitere Informationen:
https://www.matthiasleupold.com/



