Namhafte Autorinnen und Autoren kommen in die Hafenstadt Sassnitz – diesmal unter einem Motto, das zweimal gelesen werden will: HÖRT AUF!
Im fünften Jahr sind die Literaturtage Rügen zur festen Größe im Kulturherbst der Insel geworden. Vom 30. Oktober bis zum 1. November 2026 kommen erneut namhafte Autorinnen und Autoren in die Hafenstadt Sassnitz – diesmal unter einem Motto, das zweimal gelesen werden will: HÖRT AUF! Es geht ums Aufhören. Und ums Aufhorchen. Was passiert, wenn wir innehalten und unsere Ohren aufstellen? Drei Tage lang lädt das Festival zu Lesungen, Kino, Performance und Debatte – zum Zuhören und zum Mit(einander)reden.
Die erste Rügener Rede
Zur Eröffnung hält die Berliner Schriftstellerin und Kolumnistin Mely Kiyak die erste „Rügener Rede“. Kiyak, ausgezeichnet mit dem Kurt-Tucholsky-Preis 2021 und dem Heinrich-Mann-Preis 2025, hat zuletzt in „Gute Momente“ dem eigenen und unserem Leben gelauscht – und dabei den Sound von Meer und Menschen der Ostseeküste eingefangen. Für die Literaturtage schreibt sie eine Rede zum Aufhören. Mit ihr beginnt eine Reihe, die das Festival künftig jedes Jahr fortsetzen wird.
Freitag: Entscheidungen und Aufruhr
Den Auftakt macht Domenico Müllensiefen mit „Manchmal muss man sich entscheiden“. Der Magdeburger Autor schickt die LKW-Fahrerin Sandra durch Europa – hart, komisch und überbordend erzählt er von einer, die nicht nur unser aller Lasten transportiert, sondern auch ihre eigenen. Heike Geißler folgt mit „Michaela Kohlhaas“, dem Porträt einer Friedhofsangestellten, die zur geächteten Aufrührerin gegen die Bequemlichkeit wird. Eine Figur, die sich jeder Zuschreibung entzieht – auch der, die weibliche Neuauflage von Kleists Titelhelden zu sein. Diese Kohlhaas hört auf, damit wir auf sie hören. Der Roman wurde 2026 mit dem Literaturpreis Sachsen ausgezeichnet. Den Abend beschließt in Kooperation mit dem Lichtspiel Sassnitz e. V. Christian Petzolds Film „Miroirs No. 3“ (D 2025, 86 Min.): die Geschichte zweier Fremder, die einander fast ein neues Leben wären. Wie hört man auf zu trauern, ohne den Verlust zu verraten?
Samstag: Verluste, Entzug, Widerstand
Florian Scheibe schaut in „Verluste“ einer Familie beim Einbunkern zu. Als der Patriarch einen Luxusbunker plant, beginnen alle gegen die Wände zu laufen – ein wendungsreicher und höchst amüsanter Roman darüber, dass es kein Entrinnen gibt, erst recht nicht in der Familie.
Christoph Peters erzählt in „Entzug“ schonungslos und mit bitterer Komik von der Alkoholsucht eines Schriftstellers. Trinken und Nicht-Trinken heißen die beiden Teile dieses Romans; der Autor macht keinen Hehl daraus, dass hier eigene Erfahrungen verarbeitet werden.
Ingo Schulze legt mit „Das Wasser im August“ sein vielleicht persönlichstes Buch vor: Ein Schriftsteller reist zu einer Lesung nach Mecklenburg und liest aus einer unveröffentlichten Novelle über die eigene Jugend. Das alte Ich hört auf das junge. Ausgezeichnet mit dem Uwe-Johnson-Preis 2026.Zum Ausklang lädt die Performance Bar Tleby in eine Schankstube im Westflügel des Grundtvighauses. Nach Motiven von Herman Melville bitten die Berliner Künstler Michael Graessner und Sebastian Orlac das Publikum, etwas lieber nicht zu tun.
Sonntag: Zurückschauen und Abschied nehmen
Am letzten Festivaltag verlässt das Programm seinen Hauptspielort und zieht in den Hafenbahnhof Sassnitz. Thea Mengeler liest aus „Öffentlicher Nahverkehr“: Eine junge Influencerin steigt aus und fährt Bus – statt angestarrt zu werden, starrt sie zurück. Ein hochaktueller Roman über digitale Gewalt, Scham und die Fänge der Selbstbespiegelung.Den Abschluss bildet Gabriele von Arnim mit „Abschied leben“, einem eindringlichen Essay über die Ängste und Zumutungen, aber auch über Kraft und Trost, die dem Abschied innewohnen. Eine Abschiedslesung in der Hafenstadt – passender könnte das Ende der Literaturtage kaum sein.
Zitate
„Aufhören klingt nach Schluss. Aber im Motto steckt auch eine Aufforderung: Hört zu! Hört aufeinander! Genau darum geht es in diesem Jahr – ums Innehalten und ums Hinhören.“
Sebastian Orlac, Festivalleiter
„Das Grundtvighaus ist ein Ort, an dem Menschen und Gedanken zusammenkommen. Dass wir das im fünften Jahr sagen können, freut uns sehr.“
Anja Sacher, 1. Vorsitzende Grundtvighaus e. V.
Karten
Die Literaturtage Rügen sind klein und fein. Wer dabei sein möchte, sollte rechtzeitig vorbestellen. Der Festivalpass kostet 45 Euro, die Einzelveranstaltung 12 Euro. Vorbestellungen unter www.literaturtage-ruegen.de oder 038392 57726.
Das vollständige Programm mit allen Zeiten und Orten:
literaturtage-ruegen.de/programm_2026
Die Literaturtage Rügen sind eine Veranstaltung des Grundtvighaus e. V. und werden gefördert durch: den Vorpommernfonds, den Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Sassnitz, die Budde-Stiftung, Alfred Toepfer Stiftung F.V.S..
Pressekontakt: Sebastian Orlac · orlac@literaturtage-ruegen.de



