Workshop und Spaziergang mit Jenny Krüger, Susanne Lüttich und Diana Lucas-Drogan zur Ausstellung „Wohnkomplex Neubrandenburg“.
Das Stadtbild von Neubrandenburg ist geprägt von Ambiguität: Backsteingotik und Ostmoderne kollidieren miteinander und erzeugen Risse in der Akzeptanz und den Wohnqualitäten innerhalb der Stadt.
In dieser Dynamik wollen wir uns in der Methode des gemeinsamen Gehens und Lesens die gebaute Umwelt als gelebtes und lebendiges Archiv erschließen. Das Lesen von originalen Planungsunterlagen und Fotos der städtebaulichen Umwälzungen ermöglicht uns ein Erproben des gemeinsamen Dialogs, sich mit den Planungsideologien als Material auseinanderzusetzen. Zusammen mit Planer*innen, Zeitzeug*innen und Gäst*innen dekodieren wir durch die Begehung der Orte und im Zusammenhang mit Planungsmaterial die Ideologien, Konzepte und Bezüge der Planungskultur der letzten beiden Bebauungsgebiete in Neubrandenburg in der DDR. Die 80er Jahre waren geprägt von ersten sensiblen Anpassungen und auch großem Widerstand gegen die Planungspraxen. In zwei Vierteln von Neubrandenburg (Katharinenviertel, Rostocker Viertel) wollen wir den Zwiespalt, den Mut und auch die Sensibilitäten der Planung begehen.
In den 70er Jahren als Megastruktur geplant, reduziert sich das technoide Planungsdogma der Großbauten in den 80er Jahren auf eine Plattenbaugestaltung, die sogar das Ornament aufgreift und in Teilen auf den Abriss historischer Bausubstanz verzichtet.
In dem Workshop dekodieren wir die geplanten Riesenmaschinen für das Katharinenviertel und begehen gemeinsam in einem 360-Grad-Blick die Stadtmorphologie. Den Zwiespalt zwischen den geplanten großen Gesten und den gebauten kleinen Gesten lesen wir in einem gemeinsamen Spaziergang.



