Workshop und Spaziergang anlässlich des Tags der Architektur mit Jenny Krüger, Susanne Lüttich und Diana Lucas-Drogan
Das Stadtbild von Neubrandenburg ist geprägt von Ambiguität: Backsteingotik und Ostmoderne kollidieren miteinander und erzeugen Risse in der Akzeptanz und den Wohnqualitäten innerhalb der Stadt.
In dieser Dynamik wollen wir uns in der Methode des gemeinsamen Gehens und Lesens die gebaute Umwelt als gelebtes und lebendiges Archiv erschließen. Das Lesen von originalen Planungsunterlagen und Fotos der städtebaulichen Umwälzungen ermöglicht uns ein Erproben des gemeinsamen Dialogs, sich mit den Planungsideologien als Material auseinanderzusetzen. Zusammen mit Planer*innen, Zeitzeug*innen und Gäst*innen dekodieren wir durch die Begehung der Orte und im Zusammenhang mit Planungsmaterial die Ideologien, Konzepte und Bezüge der Planungskultur der letzten beiden Bebauungsgebiete in Neubrandenburg in der DDR. Die 80er Jahre waren geprägt von ersten sensiblen Anpassungen und auch großem Widerstand gegen die Planungspraxen. Im Rostocker Viertel wollen wir den Zwiespalt, den Mut und auch die Sensibilitäten der Planung begehen.
Der infrastrukturelle Eingriff durch das Verlegen der Straße bedingte radikale Pläne zwischen Abriss und dem Erbauen von Hochhaustürmen am Tollensesee und führte gleichzeitig zu einem Widerstand der Bewohnenden. In der Hoffnung, aus den vorherigen Umstrukturierungen der Stadt gelernt zu haben, wuchs der Widerstand seitens der Bevölkerung. Politisch hielt die Planungsabteilung um Iris Dullin-Grund an den Dogmen jedoch fest. Dieser Ambivalenz der Zeit widmet sich der zweite Spaziergang.
Grundlage des gemeinsamen Lesens ist der Einblick in Planungsunterlagen und Fotos, die im Spaziergang als Material mit Zeitzeug*innen eingebracht werden.



