Das Konzert zeigt Palestrinas Meisterwerke und ihren prägenden Einfluss auf die Kirchenmusik der Renaissance bis heute.
Giovanni Pierluigi da Palestrina: Ikone der Kirchenmusik und Meister des Kontrapunkts
Das Ensemble Polyharmonique aus Berlin, bekannt aus Fernsehen, zahlreichen CDs und Videos, widmet seine Konzerte dem legendären Komponisten Palestrina
Giovanni Pierluigi da Palestrina gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Renaissance und wird oft als „Retter der Kirchenmusik“ bezeichnet. 2025 feiert die Musikwelt seinen 500. Geburtstag. Kein anderer Komponist seiner Zeit hat Vokalmusik geschaffen, die Textverständlichkeit, Klarheit und sinnliche Schönheit so meisterhaft vereint – und bis heute inspiriert. Schon die Romantiker sahen in ihm eine überirdische Größe: E. T. A. Hoffmann sprach von Akkorden, die „wie blendende Strahlen“ hereinfielen, Richard Wagner nannte seine Motetten eine „geistige Offenbarung“, und Giuseppe Verdi ehrte ihn als den „wahren König der geistlichen Musik“. Friedrich Nietzsche schließlich beschrieb Palestrinas Werke als „unaussprechlich erhaben und heilig“.
Das Programm eröffnet mit der festlichen Ostermotette Haec Dies, die in ihrer kunstvollen Polyphonie die musikalische Richtung des Konzertes vorgibt. Die Parodiemesse Assumpta est Maria besticht durch ihre helle Klangfarbe, wobei sie weniger auf strenge Imitation setzt als auf klare Akkordblöcke. Im Kyrie wechseln durchgängig imitierende Passagen mit harmonisch geprägten Abschnitten, die durch geschickte Stimmkonstellationen ihren besonderen Ausdruck entfalten.
Palestrinas Einfluss reicht weit über Italien hinaus. Auch in der protestantischen Kirchenmusik in Deutschland diente sein Stil als Vorbild. Ein Beispiel dafür ist die Motette Nun bitten wir den heiligen Geist von Michael Praetorius, die Palestrinas klare Mehrstimmigkeit aufgreift und zugleich den expressiven Stil des Barockzeitalters andeutet. Im folgenden Credo der Missa Assumpta est Maria sticht das Crucifixus mit vier hohen Stimmen (SSAA) hervor, die zart die Trauer der Mutter Maria verdeutlichen.
Mit der Passionsmotette Adoramus te von Felice Anerio taucht das Programm in eine dunklere Klangwelt ein. Anerio, einst Sänger in der Cappella Giulia unter Palestrina, wurde nach dessen Tod 1594 Komponist der päpstlichen Kapelle.
Palestrinas Lamentation für den Karsamstag (Lektion III, Buch III) zeigt eine andere Facette seines Schaffens: dunkel, zurückhaltend, kontemplativ. Fernab der lichten Marienverehrung entfaltet sich hier eine tiefe emotionale Intensität, die in der eindringlichen Zeile „Jerusalem, Jerusalem, wende dich zum Herrn, deinem Gott“ ihren Höhepunkt findet.
Ein zeitgenössischer Bezug entsteht mit Infelix ego, einer lateinischen Paraphrase des 51. Psalms. Sie stammt aus der Feder des Dominikanermönchs Girolamo Savonarola (1452–1498), der in Florenz einen streng religiösen Gottesstaat errichtete, jedoch bald auf Widerstand stieß. 1498 wurde er wegen Häresie verurteilt und unter Folter gezwungen, seine Überzeugungen zu widerrufen. In der Nacht vor seiner Hinrichtung schrieb er diesen bewegenden Text – ein innerer Monolog, der von Schuld und Angst bis hin zur Hoffnung auf Erlösung reicht. Savonarolas Vermächtnis beeinflusste Komponisten wie Adrian Willaert, Roland de Lassus, Cipriano de Rore und William Byrd, die daraus einige der eindringlichsten Vertonungen des 16. Jahrhunderts schufen. Das Ensemble Polyharmonique hat den flämischen Komponisten Erik Van Nevel (*1956) beauftragt, Infelix ego für sechs Stimmen neu zu vertonen. Seine Interpretation verbindet eine reiche, dissonanzgesättigte Klangwelt mit auf- und absteigenden rhetorischen Figuren. Fragmente von Luthers Choral Aus tiefer Not schrei ich zu dir und Erhart Hegenwalts Erbarm dich mein (1524) durchziehen das Werk und verstärken den dramatischen Ausdruck. Der Wechsel zwischen Polyphonie und Homophonie spiegelt die emotionale Zerrissenheit des Textes wider.
Nach diesen dunklen Tönen kehren mit der Motette Congratulamini mihi, dem Sanctus und dem Agnus Dei der Missa Assumpta est Maria wieder jene Leuchtkraft und Klarheit zurück, die Palestrina den Titel Musicae princeps – „Fürst der Musik“ – einbrachten. Den krönenden Abschluss bildet die Motette Assumpta est Maria, die in jubelnden Engelschören Marias Himmelfahrt feiert. Ein Schlusspunkt, der einmal mehr die zeitlose Meisterschaft Palestrinas unterstreicht – mit Musik, die auch im 21. Jahrhundert die Herzen berührt.
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Videos: https://www.youtube.com/@polyharmonique/videos
Eintritt 15€ (Abendkasse. Vorverkauf online möglich)



