Szenische Lesung: „Jämmerlich eingeäschert“ war Gingst durch den großen Brand von 1726. Vor diesem Hintergrund wird der Lebensweg des Pastors Picht im Kampf um Freiheit und im Einsatz für die Beseitigung der Brandfolgen Stationen um die Gingster Kirche dargestellt. Aufführung des Ensembles der Hinterlandbühne Rügen.
Die Kirchengemeinde Gingst feiert in diesem Jahr die vor über 250 Jahren erfolgte Aufhebung der Leibeigenschaft ihrer Pastoratsuntertanen. Der damalige Pastor und Präpositus, J.G. Picht (1736-1810), sprach am 15. Juni 1773 die erbuntertänigen Einwohner der Kirche frei. Für diese bahnbrechende Reform hatte er sich eigens die Zustimmung des schwedischen Königs eingeholt, unter dessen Krone das nördliche Vorpommern damals stand.
„Seyd frey! seyd tugendhaft und seyd glücklich!“ Mit diesem Appell am Schluß seiner Freygebungsrede weist Picht die Gingster auf die christliche Dimension seiner Wohlstandsvision hin. Freiheit erfordert die Vernunft um zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Dabei von christlichen Werten geleitet, sollte das Glück bereits auf Erden möglich sein.
Mit der Freisprechung war Picht ein Vorreiter im Land. Die ehemaligen Erbuntertanen konnten nun ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen, einen Beruf auswählen, heiraten, wen sie wollten, und ihre Häuser vererben oder verkaufen. Um ihren Wohlstand zu fördern, erneuerte Picht das Weberhandwerk und baute das Schulwesen aus.
Um die Tragweite der Freisprechung im damals ständisch geprägten Leben heute, wo Freiheitsrechte für alle selbstverständlich sind, wieder erlebbar zu machen, lädt die Kirchengemeinde zu einer Reihe von vier Veranstaltungen ein: Am Samstag, dem 13. und Freitag, dem 19. Juni, jeweils um 19 Uhr wird die Hinterlandbühne Rügen den Lebensweg des Pastors und Präpositus Johann Gottlieb Pichts Picht und seinen Kampf um Freiheit und sein Einsatz für die Beseitigung der Folgen des großen Brandes 1726 in mehreren Stationen um die Gingster Kirche darstellen.



