Ein inspirierender Abend zum Staunen, Schmunzeln und Nachdenken. Dieser Abend balanciert, musikalisch zart untermalt, zwischen der Lust am Lachen und der Erkenntnis, dass wir selbst die Protagonisten dieser tragikomischen Geschichte sein könnten, die es für einen vergnüglichen Abend voller Lebensfreude und Heiterkeit mit Tiefgang braucht.
Clowns im Zirkus sind immer fröhlich. Doch manchmal verlieren auch sie ihr Lächeln, wenn sich das Herz mit Tränen füllt. Und was passiert dann, wenn der Clown nicht mehr lacht? Diese Inszenierung blickt hinter die Maske und schaut dem Menschen ins Gesicht. Poetisch, staunend, berührend, heiter, tragisch. voller Mitgefühl. Clown August bricht auf, tritt, an seinem eigenen Anspruch gescheitert, aus dem Rund der Manege und begibt sich auf die Suche nach tief empfundener Glückseligkeit – unterwegs zu sich selbst. Ohne Applaus und Rampenlicht schutzlos und schon fast nackt, empfindet er sich wieder viel näher bei der Natur – in auf ursprüngliche Wahrheiten reduzierten, essenziellen Bühnenmomenten wie diesen, sind wir uns alle ähnlich. Publikum und Clown sind Eins. In einer Welt, in der Schwäche als Bedrohung gilt und die Leistung als Erwartungshaltung im Vordergrund steht, symbolisiert der Clown das zutiefst Menschliche: Unsicherheit, Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, Verbundenheit und Liebe.
Ralf Bauer gibt in „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ den Clown August. Als komische Figur bringt er die dunkle Seite zum Vorschein. Die Rückseite des tröstlichen Silbermondes. Über das Lachen hat der Clown die Erlaubnis, Wahrheiten auszusprechen. Er ist ein fantastisches Mischwesen aus einer anderen Welt. Das Lachen, aus Trauer und Wut über den Tod geboren, den eigenen oder den von Nahestehenden, kann unsere Endlichkeit nicht ändern: Doch wir dürfen unseren Frieden damit machen. Und sobald wir darüber lächeln können, sind wir schon eine Stufe weiter auf der Leiter … “
Ralf Bauer, als zweite Leidenschaft und Lebenswelt in die tibetische Philosophie eingetauchter Yoga-Meister, wirft die Zuschauer mit dieser seelenvollen Inszenierung unterhaltsam auf sich selbst zurück.
„Das Lächeln am Fuße der Leiter“ ist eine poetische Fabel von obsessiver Leidenschaft auf der Suche nach sich selbst, die passionierte Erzählung eines Künstlers, der seiner Bestimmung folgt.
Zum Autor:
„Unter den Werken Henry Millers hat diese Fabel vom besessenen Ich, das zu sich selber kommen möchte, vom Clown, seinem Lächeln, seiner Trance, dem Mond und der Leiter, den Rang eines Kabinettstücks. Hier wird, auf der unablässigen Suche nach Reinheit und Glücksseligkeit, eine Stimme hörbar, die von der Utopie der Selbstverwirklichung spricht- ein poetischer Anruf des Glücks.“
Henry Miller, der deutschstämmige Außenseiter der modernen amerikanischen Literatur, aufgewachsen in Brooklyn, wo er die Zeit des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise erlebte, gehörte bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs den Pariser Kreisen der „American Exiles" an. Scheinbar unbeschädigt vom „Getöse der Welt" schafft er neben seinem tabulosen Werk, das Grundlage für die „beat generation" werden sollte, auch diese zeitlose Figur des Clowns August, der den Menschen wahres Glück schenken will. August, unberührt und „unbefleckt vom allgemeinen Elend, hat scheinbar die Freiheit gewonnen, erlebt den Augenblick in voller Größe, strahlt, und dieses Strahlen rund um ihn ist ein immerwährendes Lied der Freude. Der Zirkus öffnet eine winzige Lücke in der Arena der Vergessenheit..."

