Natururlaub auf Usedom

Seichte Wasser, schwimmende Suiten und Köstliches aus der Region

Autor*in: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 6. Februar 2023

Die im Stil von Hausbooten konstruierten Suiten sind fest verankert., © TMV/Tiemann

Autor*in: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 6. Februar 2023

Der Naturhafen Krummin macht Gäste mit besonderen Übernachtungsangeboten glücklich. Und mit feiner Küche aus der Region.

Wie friedlich es ist an diesem frühen Septembermorgen im Naturhafen Krummin.

Schilf wiegt leise im Wind. Ganz sanft schaukeln die an den Stegen vertäuten Boote auf dem Wasser. Auf der Hafenterrasse ranken Kletterrosen an der grau verwitterten Lärchenholzfassade hoch. Es duftet nach dem dampfenden Kaffee, den Betriebsleiterin Fenja Saathoff in handgetöpferte Tassen gießt: „Jetzt gibt’s erstmal Frühstück.“            

Der Naturhafen Krummin ist ein ganz besonderer Hafen. Er liegt an der Krumminer Wiek, einem Naturschutzgebiet am stillen Usedomer Achterwasser. Eine lange, alte und hinreißend schöne Lindenallee führt von der Usedomer Hauptstraße in das kleine Dorf Krummin hinunter in eine freundliche, kleine Urlaubswelt, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Und in der ein ganz anderer Rhythmus herrscht als in den quirligen Seebädern der Insel. Der Naturhafen Krummin besteht aus einer Vier-Sterne-Marina mit 160 Liegeplätzen und einem Restaurant, was ihn zur größten Marina auf der ganzen Insel macht. Doch ansonsten haben die Macher von Krummin mit Superlativen und Rekorden nichts im Sinn. Viel wichtiger sind ihnen – im Namen klingt es schon an – Nachhaltigkeit und Naturverbundenheit. An den beiden Stegen liegen vor allem Segelboote an, ein Garant für Stille und gute Luft. Gäste können für ein Erholungswochenende aber auch schwimmende Suiten beziehen, die fest an den Stegen verankert sind und aus Lärchenholz und anderen Naturmaterialien gebaut wurden. 

Die schwimmenden Suiten im Naturhafen Krummin, © TMV/Tiemann

Schwimmende Suiten: Komfort vom Feinsten

„Als wir uns die Suiten ausgedacht haben, hatten wir Paare im Sinn, die sich ein paar Tage Auszeit wünschen. Die mal runterkommen wollen“, sagt Frank Schmidt, Geschäftsführer des Naturhafens Krummin. Diese Gäste dürfen sich jetzt in schwimmenden Ferienquartieren über Komfort der behaglichsten Art freuen: Es gibt Holzfußböden, edles Design-Interieur, viel Licht, das durch große Fenster ins Innere fällt. Einige Suiten haben einen gemütlichen Kamin, andere eine eigene Sauna. Vom Bett guckt man direkt aufs Wasser. Und das Allerbeste: die privaten Freisitze im Heck, wo man in Loungechairs relaxen und sich mit Blick auf den unter Naturschutz stehenden Schilfgürtel mit seiner Vogelwelt fast schon fühlt wie im Okavango-Delta in Botswana.

„Kann man mit den schwimmenden Suiten denn auch durchs Achterwasser kreuzen?“, frage ich Frank. Der schmunzelt: „Die Suiten sind nach dem Hausbootprinzip gebaut, das stimmt. Und mit den einstöckigen Suiten könnte man im Prinzip auch fahren. Aber sie sind so schwer zu manövrieren, dass wir das lieber bleiben lassen.“ Gästen, die sich übers Wasser bewegen wollen, bietet der Naturhafen Krummin schließlich genügend andere Optionen an: geführte Kanu- und Kajaktouren zum Beispiel, oder Familien-Trips mit Schatzsuche im Elektromotorboot. Auch Segeltörns auf einem 100 Jahre alten Zeesenboot sind möglich. Das traditionsreiche Usedomer Fischerboot mit den rotbraunen Segeln wird von Kapitänin Rika Harder gesteuert; sie kreuzt mit ihren Gästen über Peenestrom und Krumminer Wieck – besonders stimmungsvoll zum Sonnenuntergang.

Der Naturhafen Krummin auf Usedom, © TMV/Gänsicke
Der Naturhafen Krummin auf Usedom

Selbst die Physalis kommen aus der Region

Doch noch herrscht frische Morgenstimmung im Naturhafen Krummin. Fenja und Frank, ihr Chef, setzen sich erstmal zum Frühstück, bevor das Geschäft losgeht. Auf dem Tisch steht, was auch die Gäste der Suiten und der Marina bestellen können: Käse aus dem nahen Züssow, Hirschsalami vom Jagdmetzger aus dem Dorf nebenan, Apfelsaft der Lohnmosterei in Postlow, das Ei aus Freest. „Aber die Physalis im Joghurt kommen doch bestimmt aus Thailand?“, wollen wir wissen. Frank und Fenja lachen. „Nein, die baut ein Diplombiologe in Greifswald an“. Regionale Produkte und kurze Wege sind in der Philosophie des Naturhafens Krummin elementar. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen manchmal mit zur Speisekarte bei. „Sie bringen frische Walnüsse aus dem Garten mit, Birnen oder auch mal selbstgekochte Marmelade“, schwärmt Fenja. Auch die Minimierung von Abfall und der Verzicht auf Plastik sind Frank und Fenja überaus wichtig. Nicht nur beim Frühstück, auch sonst. „Bei unserem traditionellen Hafenfestival, wo Singer und Songwriter auftreten, haben wir noch nie Plastikgeschirr verwendet“, erzählt Frank nicht ohne Stolz. 

Frank und Fenja sitzen im neuen rohrgedeckten Frühstückshaus, einem lichterfüllten Bau aus viel Glas und Holz. Hier können die Gäste der schwimmenden Suiten und der Marina nicht nur frühstücken, sondern auch alle anderen Mahlzeiten einnehmen. Falls sie bei gutem Wetter und entsprechenden Temperaturen nicht lieber draußen sitzen wollen, auf der großen Hafenterrasse, wo auch die Tagesgäste Platz nehmen. Doch egal wo, es schmeckt immer. Ob es nun der hausgeräucherte Ostseelachs ist oder der „Wiek Burger“ aus pommerschem Duroc-Schwein, Ostseeländerkäse und hausgemachte Zwiebelmarmelade. Etwas ganz Besonderes sind stets die Wildgerichte – Reh, Hirsch, Wildschwein und manchmal auch Enten. Geliefert vom Krumminer Betrieb „Usedomer Wild“, der fußläufig zum Naturhafen liegt und von den beiden Urgesteinen Hans-Martin und Michael Fröhlich betrieben wird. Regionaler geht es wirklich nicht.

im neuen Glashaus: Frank Schmidt und Fenja Saathoff vom Naturhafen Krummin, © TMV/Tiemann
lässt es sich mit Blick auf die Marina gut relaxen. Und genießen!, © TMV/Tiemann

Zufriedene Mitarbeiter verbreiten gute Stimmung

„Wir wollen ein authentisches Usedom bieten“, sagt Frank und trinkt seinen Kaffee aus. Zur Nachhaltigkeit gehören für ihn aber auch Details, die der Gast auf den ersten Blick nicht sieht: LED-Lampen und Wassersparköpfe zum Beispiel. Oder, dass die Mitarbeiter möglichst aus der Region stammen. Dass sie gerne im Naturhafen arbeiten, spürt der Gast sofort. Alle sind sehr nett und aufmerksam. Was wiederum für ein echt nachhaltiges Urlaubserlebnis sorgt.

Meditativer Wassersport auf dem Usedomer Achterwasser, © TMV/Tiemann
Meditativer Wassersport auf dem Usedomer Achterwasser
mit dem Zeesboot raus in den Sonnenuntergang., © TMV/Tiemann
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