Carolin Würfel liest aus ihrem Buch über Maxie Wander, Brigitte Reimann und Christa Wolf
»Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, war das der offizielle Anfang vom Ende ostdeutscher Kulturgeschichte«, schreibt die 1986 in Leipzig geborene Autorin und Journalistin Carolin Würfel im Nachwort ihres 2024 im Insel Verlag erschienenen Buches »Drei Frauen träumten vom Sozialismus«.
Entgegen der wenig differenzierten Entwertung sozialistischer Entwürfe aus einer im Westen dominanten politischen und kulturellen Perspektive macht Würfel am Beispiel ihrer Protagonistinnen, Maxie Wander, Brigitte Reimann und Christa Wolf erfahrbar, dass die DDR mehr sein wollte, als eine Diktatur, aber auch die destruktiven Seiten des 1989 endgültig gescheiterten Projekts.
Würfel gelingt es, durch die sehr nahe und ehrliche Beschreibung der drei Lebenswege, anschaulich zu machen, was in größerer Perspektive Menschen bis heute antreibt, sich für einen radikal humanistischen Menschheitstraum einzusetzen, ohne zu verschweigen, dass auch im Humanismus die Gefahr einer erneuten Tyrannei enthalten ist.
»Den Sozialismus schaffen wir Menschlein nicht, dazu sind wir leider einfach nicht fähig«, habe die Großmutter väterlicherseits nach der Wende mal gesagt, erzählt die Autorin. Andererseits: Angesichts eines global zunehmenden Kults der Menschenfeindlichkeit bleibt uns aber keine Alternative als, against the odds, trotzdem weiter über postkapitalistische Gesellschaftsentwürfe nachzudenken.
Die Autorin stellt im Kulturhaus Schlowe ihre liebsten Lesestellen vor und zur Diskussion mit dem Publikum. Heike Lorenz und Jens Mühe unterstützen sie auf dem Podium und streuen eigene Überlegungen und Fragen mit ein.
Die Lesung findet mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern statt.
Ab 18.00 Uhr: Eintrittskarten, Kaltgetränke, Caffè und ein Büchertisch der Buchhandlung »Reingelesen«, Blutstraße 33, Parchim im Café Wahrheit.



