Eine Komödie von Ernst Toller
„Jetzt, Kinderchen, dürft ihr wieder mit Bleisoldaten spielen.“
Der Friseur Emil in Nie wieder Friede
Wie über Nacht wird der öffentliche Diskurs wieder von Wehrpflicht, Militarismus und Kampfkraft beherrscht. Noch gestern beschwor die Verfassung den Willen zum „Ewigen Frieden“, wurden die aus der Geschichte gezogenen „Lehren“ gepriesen und alle Länder der Welt zur Glück verheißenden Völkerverständigung aufgerufen. Doch jetzt werden Waffen geschmiedet, Rüstungskonzerne hofiert und Kriegsdienstverweigerer als „Memmen“ beschimpft.
Das hatte sich ein beseelte Heiligkeit vorschützender Franziskus von Assisi auf dem Olymp ganz anders vorgestellt. In festem Glauben an das Gute hält er das Paradies auch auf Erden für möglich. Worüber der ebenfalls im Jenseits herumlungernde Napoleon nur lachen kann. Zunehmend von Engeln und Wolken gelangweilt, zieht der Zerstreuung suchende Ex-Kaiser aller Franzosen den asketischen Büßer deshalb in einen Streit über die genuine Natur des Menschen. Und um zu klären, ob dieser seinem Wesen nach eher zum Krieg oder eher zum Frieden tendiert, wird der friedlichsten Stadt auf Erden per Telegramm der Krieg erklärt. Dieser bricht unverzüglich aus, der Friseur Emil erklärt sich – in deutlicher Anspielung auf die NS- Diktatur – zum Staatsführer, mobilisiert voller Begeisterung gegen den „Feind“, der sich bloß nirgends zeigt … Und wie zu erwarten folgt eine Welle von Gewalt, Rassismus, Menschenhatz und sinnloser Zerstörung. Alles im Namen einer angeblich Volk und Nation bedrohenden Gefahr.
Joanna Lewickas Inszenierung verknüpft die 1936 mit einer Ouvertüre von Hanns Eisler und Liedern von Herbert Murrill in London uraufgeführte Antikriegskomödie mit Passagen aus Tollers erstem Theaterstück Die Wandlung. Das Ringen eines Menschen, das den erkenntnisschweren Weg eines Kriegsfreiwilligen zum Pazifismus erzählt und den 25-Jährigen über Nacht berühmt machte. Zwei hochaktuelle Texte des bedeutenden – 1939 in der US-Emigration durch Suizid aus dem Leben geschiedenen – Autors, der den nationalsozialistischen Bücherverbrennern ebenso wenig passte, wie seine großartigen Dramen Masse Mensch, Hinkemann und Hoppla, wir leben!, seine jüdische Herkunft oder seine – allein schon zeitgeschichtlich unverzichtbare – Autobiografie Eine Jugend in Deutschland.

