Ausstellung des Dokumentarfotografen Ludwig Nikulski
In der dritten Kriegswoche sagt ein polnischer Grenzsoldat zu mir, alles habe sich verändert. Im selben Ort widerspricht ein Hotelier und meint, nichts habe sich verändert. Seit Februar 2022 trennt die westliche Außengrenze der Ukraine Europa vom Krieg. In den Grenzregionen ist dieser so präsent wie nie zuvor und zugleich gewohnt weit weg, sodass man ihn selten wahrnimmt. „Unter den Palmen“ geht dem Widerspruch zwischen Anwesenheit und Abwesenheit des Krieges nach und entdeckt eine Verwirrung zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Seit Kriegsbeginn folge ich der ukrainischen Grenze mit einer Großformatkamera durch Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, die Republik Moldau und Transnistrien. Fotografien und prosaische Texte erzählen auf vielschichtige Weise vom Krieg und eröffnen Perspektiven, die in der Berichterstattung kaum sichtbar sind. In den vergangenen Monaten ist der Krieg zunehmend über die Grenzegedrungen. Drohnen explodierten in europäischem Raum in Moldau und Rumänien, der polnische Luftraum wurde mehrfach verletzt, Sabotageakte und Spionage nehmen zu. Was lange fern schien, rückt näher, manchmal lautlos, manchmal im Nachhall einer Explosion. Gerade in diesen Grenzregionen zeigt sich, wie brüchig die vermeintliche Distanz zum Krieg geworden ist.



