Im Hausboot barrierefrei auf der Müritz

Autor: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 27. Januar 2022

Über allen Wipfeln ist Ruh‘. Und auch die Hausboote tuckern nahezu lautlos über den stillen See, © TMV/Gänsicke

Autor: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 27. Januar 2022

Mobil in jeder Hinsicht: Auf den Hausbooten von Kuhnle Tours genießen auch Gäste mit Bewegungseinschränkungen maximale Freiheiten. Auf Wunsch sogar mit eigener Sauna. Wie viel Spaß ein barrierefreies Hausboot macht, zeigen uns fünf Freundinnen auf großer Fahrt

 

Läuft, oder? Silke strahlt. Es ist ihr erstes Mal am Steuer eines Hausbootes, doch sie hält das Ruder lässig in der Linken, hat den Gashebel voll nach oben geschoben und steuert das zehn Meter lange Boot mit der Grandezza einer erfahrenen Hochseekapitänin in die stillen, flaschengrünen Wasser der Müritz hinein. „Aus’m Weg!“, ruft die 55-Jährige fröhlich, als ein Ruderboot mit Angler auftaucht, weicht dann aber doch lieber selbst in großem Bogen aus und tuckert in einen langgestreckten Kanal hinein. Lichtes Grün wächst zu beiden Seiten des Wassers, Birken strecken ihre Äste in den Himmel, Seerosen entfalten ihr pinkfarbenes Innenleben. Herrlich ist es auf dem Wasser. Und ist es nicht einfach fantastisch, dass man zum Führen eines Hausbootes weder Vorkenntnisse noch einen Bootsführerschein braucht?

Wo sind eigentlich die anderen? Silke wirft einen kurzen Blick in die beiden großen Rückspiegel: Das Saunaboot mit Telse und Margit an Bord, das etwas später von der Marina Granzow gestartet ist, hat inzwischen kräftig aufgeholt. „Die kriegen uns aber nicht!“, lacht Silke, und die Freundinnen Katja und Sara, die mit einem Kaffee an dem Tischchen neben dem Ruder sitzen, nicken bestätigend. Echt entspannt, so ein Hausboot-Wochenende mit Freundinnen. Silke und Katja kommen aus Stralsund; Telse, Sara und Margit leben in Rostock. Wenn sie sich mal zu fünft sehen wollen, müssen sie das richtig planen. Deshalb haben sie beschlossen, ein gemeinsames Wochenende an der Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte zu verbringen. An der Müritz? Auf der Müritz! Wozu gibt es schließlich Hausboote!

Das Hausboot ist barrierefrei – und Silke bewegt sich im Rollstuhl völlig frei., © TMV/Tiemann

Leinen los! Auf dem barrierefreien Hausboot entspannt durch die Natur

Die Müritz, das Herz der Mecklenburgischen Seenplatte, ist der größte Binnensee innerhalb Deutschlands und höchst beliebt bei Freizeitkapitäninnen. Hier gibt es nicht nur reichlich Platz, sondern auch viele und abwechslungsreiche Routen. Für ihren Wochenend-Törn haben die fünf Freundinnen gleich zwei Hausboote gemietet: zum einen ein „Febomobil“, das wie eine schwimmende, moderne Ferienwohnung konzipiert ist – Schlafzimmer, Wohnküche mit Schlafcouch und Bad befinden sich auf einer Ebene; nur zur großen Dachterrasse klettert man über eine Sprossenleiter hoch.

Und zum anderen ein Saunaboot, auf dem man nicht nur urlauben, sondern im bootseigenen Schwitzkasten auch saunieren kann. Beide Hausboote sind barrierefrei; und Silke, die wegen einer Beinbehinderung den Rollstuhl braucht, flitzt damit wendig zwischen Kabine, Bad, Salon und „Brücke“ hin und her, wo der Rolli prima an den Führerstand passt. So ein Rollstuhl, finden die Freundinnen, ist nämlich noch lange kein Grund, auf einen Müritz-Törn mit Silke zu verzichten!

Erzähl doch mal! Das sanfte Schaukeln auf dem Wasser entschleunigt so schön. Endlich ist mal Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens., © TMV/Tiemann

Entspannen mit Seeblick

Erzähl doch mal! Das sanfte Schaukeln auf dem Wasser entschleunigt so schön. Endlich ist mal Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens.
Auf dem Steg vor Schloss Mirow lässt es sich gut schnacken. Das Hausboot im Hintergrund ruht sich so lange ein bisschen aus., © TMV/Tiemann

Landgang mit Eiswaffel

Auf dem Steg vor Schloss Mirow lässt es sich gut schnacken. Das Hausboot im Hintergrund ruht sich so lange ein bisschen aus.
Fast wie auf dem Amazonas! Margit und Telse steuern das Saunaboot durch die idyllisch-grünen Kanäle der Müritz., © TMV/Tiemann

Mit dem Hausboot durch die Kanäle

Fast wie auf dem Amazonas! Margit und Telse steuern das Saunaboot durch die idyllisch-grünen Kanäle der Müritz.

Durch stille Kanäle, unter Birkengrün und an Seerosen vorbei tuckern die Boote südwärts. Bei Schloss Mirow, das buttergelb hinter großen Kastanien in der Wiese sitzt, legen die Mädels einen Landgang ein und holen sich am Kiosk ein Eis. Dann setzen sie sich nebeneinander auf den Anleger, baumeln mit den Füßen und reden. Echte Freundinnen halt. Irgendwo im Schilf setzen unsichtbare Wasservögel zu einer vielstimmigen Symphonie an. „Viel schöner als von der App“, sagt Silke und muss lachen. „Ich liebe die Natur und ich hasse Kreuzfahrten. Aber so ein Hausboot? Finde ich richtig gut!“

Durch die Panoramascheiben gibt’s zum Schwitzen ordentlich Aussicht dazu., © TMV/Tiemann

Schwitzen im Sauna-Hausboot und Abkühlung im See

Am späten Nachmittag gleiten die fünf längst wieder über die stille Müritz. Margit wirft – bald ist Essenszeit – die Angel aus. Vielleicht beißen ja Zander, Hecht, Barsch oder Aal? In der Müritz gibt es reiche Fischgründe. Doch Margit hat heute Pech. Zum Trost gönnen sich die Freundinnen einen Saunagang. In dem aufgeheizten, großzügig geschnittenen Schwitzkasten genießen die Frauen den entspannenden Blick durch große Fenster auf die grüne Seenlandschaft und die Abenddämmerung.

Ganz still ist es auf dem Wasser geworden; die dichten Uferwälder wirken völlig unberührt. Zur Abkühlung geht es danach mit einem großen Sprung in den See, wobei Sara mit einem eleganten Kopfsprung Bestnoten erzielt. „Bist ja auch die Jüngste!”, kommentiert Margit und lacht.

Danach ist es Zeit, anzustoßen. Auf die Freundschaft, auf die Müritz und überhaupt. Zartes Abendrosa liegt jetzt über dem See. Ein Fischreiher sitzt am Ufer und das Fernglas macht die Runde. Der Proseccokorken knallt, es gibt Snacks und frische Beeren zum Aperitif, während auf dem Tischgrill schon der Ofenkäse und das Gemüse für das Abendessen garen. Die Gläser klingen und in bester Laune wird weitergeschnackt.

Es geht ums Reisen. Darum, dass ein Hausboot-Törn, barrierefrei oder nicht, auch als Mädelsausflug sehr schön sein kann. Und um die Feststellung, dass sich das Hausboot auch prima für Yoga eignen würde. Mit dieser Stille, diesem meditativen Gluckern des Wassers! Ein Glück, dass morgen auch noch ein Tag ist. Ahoi!

Ein Hoch auf die Freundschaft, ein Hoch auf das Hausboot! Bei Prosecco stimmen sich die Freundinnen auf den Abend ein., © TMV/Tiemann

Abendessen auf dem Sonnendeck des Hausbootes

Ein Hoch auf die Freundschaft, ein Hoch auf das Hausboot! Bei Prosecco stimmen sich die Freundinnen auf den Abend ein.
Kurs auf Schloss Mirow. Und keine Sorge, das Anlegemanöver ist echt einfach., © TMV/Tiemann

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