Gelebte Tradition

Heimatmuseum Mönchgut in Göhren

Veröffentlicht: 14. Februar 2024

Auch Maler der Region Mönchsgut sind in der “St. Petersburger Hängung”  im Göhrener Heimatmuseum vertreten, © TMV/Gross

Veröffentlicht: 14. Februar 2024

Punktgenau zum 60. Jubiläum wurde das Heimatmuseum in Göhren nach einer umfassenden Modernisierung wiedereröffnet. Die Botschaft des Hauses lautet: Wir bringen Vergangenheit und Zukunft unserer Heimat zusammen

„Wer das Glück hat, auf Mönchgut zu leben, muss sich auch dafür engagieren.“ Ruth Bahls war es, der dieses Zitat zugesprochen wird. Die Kapitänstochter, Lehrerin und Ehrenbürgerin Mönchguts hielt sich zeitlebens daran. 1963 gründete sie in Göhren das Heimatmuseum Mönchgut. Sie, die unverheiratet stets auf die Anrede „Fräulein Bahls“ bestand, trug in dem 1850 erbauten ehemaligen Bauern-, Fischer- und Lotsenhaus an der Göhrener Strandstraße vieles von dem zusammen, was heute als Grundstock des Museums bezeichnet werden darf.

So sah sie aus, die gute alte Stube im Mönchgut, © TMV/Gross

Göhren: Ein Ort mit Geschichte

Das ist nur eines der vielen Themen, die im Mönchguter Heimatmuseum aufgegriffen werden: Wie aus Göhren ein beliebtes Ostseebad wurde, ist hier ebenso dokumentiert wie Details zur Geologie und Geografie der Region. Man huldigt den wichtigsten Persönlichkeiten des Ortes und zeichnet exemplarisch das Leben von fünf Mönchguter Familien nach. Mit der „Döns“ wird auf liebevolle Weise eine typische Mönchguter Bauern- und Fischerstube in Szene gesetzt.

„Verflossene Welten sichtbar machen, das ist unser Ziel“, sagt auch Jörn Kleinhardt, der seit 2021 als Geschäftsführer der Museumsgesellschaft Mönchgut-Granitz wirkt, „und möglichst dabei auch einen Bogen in die Gegenwart zu schlagen.“ Zu den Neuerungen im einladend lichten, so gar nicht muffig-musealen Heimatmuseum in Göhren gehört der aufwändige interaktive Zeitstrahl, der die wechselvolle Geschichte Mönchguts nachzeichnet.

Von den Anfängen der Halbinsel „Mönchgut“ im Jahr 1252 über die Schwedenzeit bis zum Zweiten Weltkrieg, von der DDR-Epoche bis heute sind hier allerlei interessante Informationen für die Besucher abrufbar. Die grafisch fein gestaltete Zeitleiste entstand in Zusammenarbeit mit dem bekannten Historiker Dr. Wolf Karge. Sie verbindet auch räumlich den alten Teil des Museums mit seinem modernen Anbau, der 2017 fertiggestellt wurde.

Tradition und Geschichte in modernem Gewand

Das rohrgedeckte Haus steht schon seit längerer Zeit unter Denkmalschutz. „Fräulein Bahls würde es allerdings von innen gar nicht mehr wiedererkennen“, erzählt Ellen Melzer, die bereits seit 2005 mit viel Herzblut für die vier Mönchguter Museen arbeitet. Dazu gehört neben dem Heimatmuseum das Rookhus in Göhren, das Museumsschiff Luise und der Mönchguter Museumshof. „Fräulein Bahls hat einfach alles gesammelt und inventarisieren lassen, was sie von den alteingesessenen Mönchgutern bekommen konnte“, erklärt sie, „95 Prozent dessen, was sich im Laufe der Jahre so angesammelt hat, können wir hier gar nicht mehr zeigen.“

Wohl auch deshalb, weil das Ziel und der Anspruch des Museums sich mit der Zeit verändert haben. Tradition und Geschichte, das aber im modernen Gewand, möchte das Heimatmuseum in Göhren zeigen. Schon der lichte, architektonisch ansprechende Anbau an das 1850 gebaute Fachwerkhaus war eine Zäsur. Seit der Modernisierung im letzten Jahr ist nun erstmals auch das Obergeschoss des Museums in die Ausstellung einbezogen worden. Der aus Stralsund stammende Fotograf Volkmar Herre zeigte dort in seinen Bildern aus den 1960er-Jahren die Ursprünglichkeit und Idylle Mönchguts. Beeindruckend sind vor allem die Motive der einheimischen Fischer, die auf diese Weise nicht in Vergessenheit geraten.

Schick auch von außen: Heimatmuseum Mönchgut, © TMV/Gross
Mönchguter Trachten sind manchmal auch heute an Festtagen auf Rügen zu sehen - und natürlich in der ständigen Ausstellung des Museums, © TMV/Gross

Die letzten Fischer von Mönchgut

Heutzutage gibt es nur noch wenige von ihnen, die professionell auf Mönchgut fischen. So wie Thomas und Florian Koldevitz, die frühmorgens um 3:30 Uhr im Hafen von Gager auslaufen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ein hartes Leben. Wenn es sie eines Tages nicht mehr gibt, wird das Heimatmuseum der letzte Ort sein, an den man sich an sie erinnert.

Eine Tracht für alle Fälle

Zu den Highlights im Heimatmuseum gehören die unterschiedlichen Trachten, die früher einmal die Alltagsgarderobe der Mönchguter waren. Die meist schlichten schwarzen Gewänder waren zum Teil bis zu 7,5 Kilogramm schwer. Ellen Melzer erklärt: „Dazu gehörte auch die berühmte Schüttelbüx – eine Hose in wadenlanger Form mit weiten Beinen und einem geknöpften Leinenbund.“ Warum die Gewänder so schwer waren? „Man lebte wohl damals nach dem Motto: ‚Was gut für die Kühle ist, ist auch gut für die Wärme.“  

Genäht wurden die Trachten in mühsamer Handarbeit, nachdem die Stoffe an wuchtigen Webstühlen hergestellt wurden. Einer steht heute noch im Museum. Das Spinnen und Weben hat auf Mönchgut Tradition, schließlich werden seit Jahrhunderten Schafe gezüchtet. Besonders das Pommersche Landschaf prägt das Bild der sanften grünen Hügel der Region. Und auch heute sind die Schafe im Biosphärenreservat Südost-Rügen Landschaftspfleger und Wollproduzenten zugleich. Die Schäfer Frank und Christian Westphal züchten die Tiere in zweiter Generation und verarbeiten die Bio-Wolle in Kooperation mit dem regionalen Unternehmen „Nordwolle Rügen“ zu moderner und nachhaltiger Wollkleidung.

Auch die jüngsten Mönchguter werden in der Kindertrachtengruppe schon mit der Tracht Ihrer Ahnen vertraut gemacht., © TMV/Gross

Konzept gut. Alles gut.

Ganz neu: 5.000 Jahre alte Artefakte aus dem Herzogsgrab

Erstmals sind in Göhren nun auch einige 5.000 Jahre alte Artefakte aus dem berühmten „Herzogsgrab“ zu sehen. Bislang wurden dort nur einige Repliken der Funde gezeigt, die der Lehrer und Heimatdichter Fritz Worm 1920 zwischen Göhren und Alt Reddevitz in einem Hünengrab aus der Jungsteinzeit gemacht hatte. Die Originale wurden dem Heimatmuseum nun von der Universität Greifswald zur Verfügung gestellt.

Zu Besuch im Rookhus

Wer gleich ein ganzes Mönchguter Fischerbauernhaus aus dem 17. Jahrhundert erleben will, kann auch das im architektonisch einzigartigen Rauchhaus – plattdeutsch „Rookhus“ – tun. Es liegt nur fünf Minuten vom Göhrener Heimatmuseum entfernt – zu Fuß! 

„Mein Lieblingsthema  im Museum aber“, verrät Ellen Melzer, „ist neben dem “Rookhus” die sogenannte Petersburger Hängung in einem unserer Räume. Dabei handelt es sich um die wunderbaren Bilder von Malern, die alle einen Bezug zu Mönchgut haben, wie zum Beispiel Tom Beyer, Elisabeth Büchsel oder Hans Porwoll. Diesen Raum liebe ich wirklich sehr.“

Konzept gut. Alles gut.

Und wie ist es mit den Besuchern – nehmen auch sie das neu gestaltete Museum in Göhren an? Geschäftsführer Jörn Kleinhardt kann das bestätigen: „Unsere  Besucherzahlen sind sehr erfreulich,  das Konzept scheint aufzugehen. Oder wie Ellen Melzer es formuliert: ‚Wer uns besucht, weiß anschließend: Das ist Mönchgut. Das ist die Geschichte unserer Heimat.‘“

Das Rookhus (Rauchhaus), ein alters Fischerbauernhaus aus dem 17. Jahrhundert, nur wenige Meter vom Heimatmuseum entfernt. Warum “Rauchhaus”? Ganz einfach: Die Dunstabzugshaube war noch nicht erfunden …, © TMV/Gross
Auch Maler der Region Mönchsgut sind in der “St. Petersburger Hängung”  im Göhrener Heimatmuseum vertreten, © TMV/Gross
Das neue Konzept des Heimatmuseums Göhren scheint aufzugehen. Geschäftsführer Jörn Kleinhardt ist jedenfalls zufrieden. , © TMV/Gross

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3 Ergebnisse

Heimatmuseum Göhren

  • Strandstraße, 18586 Ostseebad Göhren

Die Ausstellungen im Mönchguter Heimatmuseum befassen sich mit dem Leben auf Mönchgut von seinen historischen greifbaren Anfängen bis in die jüngere Vergangenheit.

Weiterlesen: "Heimatmuseum Göhren"
Baabe Hafen, © Gebert TZR

Hafen Baabe

  • 18586 Baabe

Idyllisch gelegener kleiner Naturhafen abseits des Baaber Ortskerns mit der wohl kleinsten Fähre der Welt.

Weiterlesen: "Hafen Baabe"

Rookhus

  • Jederzeit frei zugänglich
  • Thiessower Straße, 18586 Ostseebad Göhren

Das Rauchhaus in Göhren wurde um 1720 erbaut und zählt dadurch zu den ältesten Gebäuden der Insel. Vom Volksmund erhielt das Rookhus die Bezeichnung "Zuckerhut" aufgrund seines tief herabgezogenen Rohrdaches.

Weiterlesen: "Rookhus"

Heimatmuseum Göhren

  • Strandstraße, 18586 Ostseebad Göhren

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Baabe Hafen, © Gebert TZR

Hafen Baabe

  • 18586 Baabe

Idyllisch gelegener kleiner Naturhafen abseits des Baaber Ortskerns mit der wohl kleinsten Fähre der Welt.

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  • Jederzeit frei zugänglich
  • Thiessower Straße, 18586 Ostseebad Göhren

Das Rauchhaus in Göhren wurde um 1720 erbaut und zählt dadurch zu den ältesten Gebäuden der Insel. Vom Volksmund erhielt das Rookhus die Bezeichnung "Zuckerhut" aufgrund seines tief herabgezogenen Rohrdaches.

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