Schloss Wiligrad: Ein Park erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Der sanierte Landschaftspark von Schloss Wiligrad erlebt seine Wiedergeburt zwischen Rhododendren und Seeblick

Autor: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 13. Januar 2022

Zu DDR-Zeiten war Schloss Wiligrad so zugewachsen, dass man nichts von seiner Existenz ahnte., © TMV/Friedrich

Autor: Annette Rübesamen
Veröffentlicht: 13. Januar 2022

Ein Kiesweg führt um Schloss Wiligrad herum zu einem kleinen Vorplatz mit schönster Aussicht: Linker Hand blaut der Schweriner See, nach vorne guckt man über sanft abfallenden Rasen, in dem Sumpfzypressen, Platanen und ein Trompetenbaum stehen. Dahinter spitzt der Domturm von Schwerin durchs Grün. Ein Traum von einem Schlosspark, auch weil Schloss Wiligrad selbst so ein Hingucker ist: ein eindrucksvoller, zweiflügeliger Neorenaissancebau aus dem späten 19. Jahrhundert, der sich stilistisch an die Renaissance der Zeit von Herzog Johann Albrecht I. anlehnt und mit seiner von zahlreichen Terrakotta-Elementen geschmückten Fassade auffällt.

Schloss Wiligrad mit dem Nachbau des Braunschweiger Löwen. , © TMV/Tiemann

Schloss Wiligrad am Schweriner See

Lustwandeln durch ein Stück Zeitgeschichte

Und doch sind Schloss Wiligrad und sein wildromantischer Landschaftspark ein echter Geheimtipp. Das liegt nicht etwa daran, dass sich Gartenbaumeister Armin Sckell bei der Planung der Grünanlage keine Mühe gegeben hätte – ganz im Gegenteil. Er schuf Sichtachsen und legte Wege von fünf Kilometern Länge an, die den Flaneur zu bestimmten Ausblicken und Kleinarchitekturelementen führen sollten. Diese Wege schwangen sich harmonisch durch das Gelände, angelehnt an Baumgruppen, Hügel und Gewässer. Auch Wasser spielte eine wichtige Rolle in Sckells Plan: Nicht nur weil das Parkgelände über ein Steilufer hinweg direkt zum Ufer des Schweriner Sees führt. Wasser kommt auch in Form von Teichen, Quellen und sprudelnden Bächen vor. Dazu hatte Bauherr und Auftraggeber Johann Albrecht zu Mecklenburg, dem ein wenig der Schlosspark Belvedere von Weimar vorschwebte, jede Menge exotische Bäume gesammelt – griechische Tannen, orientalische Pinien und Zedern fanden ein neues Zuhause am Schweriner See.

Über 1.000 Rhododendren wurden bei der Parkrestaurierung neu gepflanzt, © TMV/Tiemann

Rhododendren als Teil des Schlossparks

Über 1.000 Rhododendren wurden bei der Parkrestaurierung neu gepflanzt
Auf vielen Kilometern lässt es sich durch den Wiligrader Schlosspark promenieren., © TMV/Tiemann

Zedern und andere exotische Bäume

Auf vielen Kilometern lässt es sich durch den Wiligrader Schlosspark promenieren.
„Wir mussten erstmal forschen: Wie sah der Park früher eigentlich aus“, erzählt Dietmar Braune, Dezernatsleiter Gärten der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern., © TMV/Tiemann

Dietmar Braune

„Wir mussten erstmal forschen: Wie sah der Park früher eigentlich aus“, erzählt Dietmar Braune, Dezernatsleiter Gärten der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern.

Doch zu DDR-Zeiten verschwanden Schloss und Park auf einmal von den Landkarten – aus politischen Gründen. Denn die Anlage wurde erst als Parteischule und dann als Ausbildungsstätte für die Volkspolizei genutzt. Und da war die Öffentlichkeit unerwünscht. Wer heute durch den 19 Hektar großen Schlosspark lustwandelt, spaziert daher auch durch ein Stück Zeitgeschichte. „In der Nachkriegszeit zerstörten Kahlschlag, Wildwuchs sowie die Bunker- und Wohnbauten der Polizeischule den Landschaftspark. 2011 haben wir dann mit seiner Sanierung begonnen“, erzählt Dietmar Braune, Dezernatsleiter Gärten der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern. Das Terrain des Landschaftsparks wurde neu modelliert und viel Gelände wieder „freigeholzt, denn nach 40 Jahren Wildwuchs war praktisch alles zugewachsen“, erinnert sich Braune. „Im Prinzip haben wir einen Park, der eigentlich nicht mehr vorhanden war, zu neuem Leben erweckt. Das ist schon etwas sehr Schönes!“

Auch der Weiher ist wieder das geworden, was er immer sein sollte., © TMV/Tiemann

Im Schlosspark von Wiligrad

Die Herzoginnen-Büste musste erst aus dem Teich geborgen werden.

Bis 2014 dauerten die Restaurationsarbeiten rund um Schloss Wiligrad; sie kosteten 2,8 Millionen Euro. Finanziert wurde damit unter anderem die Instandsetzung des großen Teichs, der heute wieder ein idyllisches Paradies ist, in dem Frösche quaken, Libellen zitternd über dem Wasser stehen und auf einer Marmorstele die Büste von Herzogin Elisabeth ruht, die zu Polizeischulzeiten im Wasser gelandet war und erst aus dem schlammigen Grund geborgen werden musste. Auch 1.000 Rhododendren kamen neu in die Erde, denn schon immer war Wiligrad für diese prächtigen, ursprünglich aus dem Himalaya stammenden Blütensträucher berühmt gewesen. Die alten Rhododendren hatten es im Schlosspark von Wiligrad teilweise auf die eindrucksvolle Höhe von sechs Metern gebracht. Soweit sind die von Braune und seinem Team gepflanzten Neuzugänge natürlich noch nicht. Manche haben immerhin schon zwei Meter erreicht. „Die gedeihen hier prächtig“, freut sich der Gartendenkmalpfleger. Dann zeigt er auf ein lichtes, grünes Tal, in dem ein Bächlein idyllisch dem See entgegenplätschert. „Hier befand sich der Schießstand der Polizeischule! Unglaublich, oder? Haben wir alles wieder freigelegt!“

Heute stärken sich die Gäste an köstlichen, selbstgebackenen Kuchen im „Gartencafé Wiligrad“., © TMV/Tiemann

Früher blühte es hier in Gewächshäusern

Heute stärken sich die Gäste an köstlichen, selbstgebackenen Kuchen im „Gartencafé Wiligrad“.

Auch die „Elisabethquelle“ wurde neu konstruiert und die sogenannte „Kaisertreppe“ freigelegt, die ehemals von der Anlegestelle am Ufer hochführte. Originalgetreu? „So weit wie möglich haben wir nach Originalplänen und alten Fotos gearbeitet. Wo wir nichts finden konnten, haben wir Lücken geschlossen”, ergänzt Braune. Besonders freut er sich über den Braunschweiger Löwen, der als Bronzeskulptur auf einem Sockel aus Kalkstein sitzt. „Er ist eine Replik. Das Original ist nach 1945 verschwunden. Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass die Abgussform eines identischen Löwen in Ratzeburg noch vorhanden war, die wir dann noch einmal verwenden konnten. Jetzt steht der Löwe wieder dort, wo er hingehört.“

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