Die meiste Zeit verbringt Lorenz Wegner-Repke auf dem Wasser. Kein Wunder, er ist ja auch Hafenmeister in Rerik, arbeitet in der Segelschule, bringt sich gerade Wingfoilen bei und lebt auf einem Boot namens Helga. Ein Besuch mit gehisstem Segel
“Klar zur Wende?”, ruft Lorenz Wegner-Repke. “Klar!”, antwortet die Schülerin, die heute mit an Bord sitzt und gerade ihre allererste Segelstunde absolviert. “Klar!”, sagt auch der zweite Schüler. Lorenz setzt zum Wendemanöver an, das Segel wechselt die Seiten. Geschafft! Dafür, dass die beiden heute ihre erste Segelstunde absolvieren, machen sie ihre Sache ganz gut, sagt Lorenz. Und er muss es ja wissen: Als Segellehrer bietet er schließlich den ganzen Sommer Segelkurse für den Reriker Seglerverein an. Dazu gehören Theoriestunden in dem nahegelegenen Gebäude des Vereins. Danach geht es knapp 30 Meter rüber zum Hafen. Schuhe aus, Handy in die Schutzhülle, Achtknoten ins Seil, Schwimmweste an und ab ins Boot im Salzhaff.
Nach einer Woche hat man gelernt, was man für einen Segeltörn braucht. Mitmachen können alle, sagt Lorenz. “Solange man schwimmen kann und einigermaßen körperlich fit ist, kann man auch segeln.” Sein jüngster Gast war gerade mal fünf Jahre alt, seine älteste Mitseglerin in ihren Siebzigern. “Die Bedingungen für unsere Segelkurse hier sind optimal: Wir haben guten Wind und das Wasser ist sehr flach. Das heißt, es ist ziemlich warm.” Ein Kormoran spreizt die Flügel aus, Möwen kreischen laut, während die drei ihren Törn absolvieren.


Mensch über Bord
Fragen werfen Lorenz nicht aus der Bahn, er bleibt gelassen und erklärt, welche Boje man am besten ansteuert, wie man ein Ziel in der Ferne findet, was der Unterschied zwischen Luv und Lee ist und wo das Wasser besonders flach ist. Denjenigen, die neu zusteigen und sich fürs Segeln begeistern, schenkt er direkt Vertrauen: Alle werden sofort mit Aufgaben und Verantwortung betraut. Immer zwei bis drei Knoten schnell, also fünf Stundenkilometer. Wie oft fällt bei solchen Touren jemand über Bord? Lorenz schätzt: einmal pro Jahr. Heute sagt man aber nicht mehr “Mann über Bord”, sondern “Mensch über Bord”. “Das üben wir jetzt direkt mal!”, sagt Lorenz. Eine Boje fliegt aus dem Boot ins Wasser – und ist zehn Minuten später wieder geborgen.
Das Leben von Lorenz hat schon immer mit Wasser zu tun. “In Rerik tritt man als kleiner Junge entweder dem Fußball- oder dem Seglerverein bei. Bei mir und meinen Geschwistern war die Sache schnell klar.” Sie sind auf Regatten gefahren, haben Segeln als Leistungssport gemacht und hatten die ganze Zeit mit Wasser zu tun. Beim Seglerverein konnten sie Boote leihen, der Verein hat viel möglich gemacht. “Als Junge war ich in Spanien bei einer Europameisterschaft. Und jetzt haben wir auch viele Leute mit Expertise, die mir mit meinem Boot helfen.” In einer Großstadt ohne Wasser zu leben, kann Lorenz sich heute nicht mehr vorstellen. Er schätzt diese besondere Dörflichkeit, die Rerik auch hat, sehr.
Mit dem Boot Helga auf dem Salzhaff unterwegs
Um die acht Monate im Jahr verbringt er in Rerik, arbeitet im Seglerverein als Segellehrer, gleichermaßen aber auch als Hafenmeister. Die Mütze, die er trägt, gibt es nur einmal, weil es den Job hier auch nur einmal gibt in Rerik: “Hafenmeister” steht drauf. Als Kind wusste er gar nicht, dass sowas überhaupt existiert. Mittlerweile hat sich das geändert: Seit 2023 übt er den Job aus. Sein Tagesablauf sieht so aus: Erstmal läuft er über die Stege und prüft, ob nachts Segler angekommen sind, die Fragen haben oder abkassiert werden müssen. Danach gibt er in der Segelschule Unterricht. Im Anschluss Käffchen mit Gästen am Wasser. Abends macht er seine letzte Runde über den Steg, guckt, wer über den Tag angekommen ist oder möglicherweise Unterstützung braucht. 115 Liegeplätze gibt es insgesamt.
Bevor er diesen Job angenommen hat, hat er Chemie in Rostock studiert, es aber als “dauerhaft nicht gut befunden”, danach eine Ausbildung zum Baumschulgärtner, die er ebenfalls als “dauerhaft nicht gut befunden” hat. Mit dem Job als Hafenmeister ist es anders. Zehn Meter Luftlinie vom Hafenmeisterbüro entfernt liegt sein eigenes Boot aus dem Jahr 1979, in dem er auch wohnt. Es heißt Helga. Ein paar Klamotten liegen auf der Sitzbank, es gibt Kabinen zum Schlafen, ein Fernglas liegt auf einer Kommode. Was nervt? Dass es keine Dusche gibt und keine Waschmaschine, aber dafür hat der Verein Lösungen. Dass er keine Miete zahlen muss, ermöglicht ihm seine Reisen im Winter. In den vergangenen Jahren ging es nach Ecuador, Indonesien, Sri Lanka und Südafrika, wo er seiner Leidenschaft, dem Surfen, nachgeht. So lebt er Freiheit und Heimat und kehrt immer wieder gerne zurück.



Zimt-Crêpes bei Ocean Blue, danach Wingfoilen
Offiziell öffnet der Hafen in Rerik vom 1. April bis 1. November. In dieser Zeit ist er auf jeden Fall vor Ort, meist noch einen Monat davor und danach. Denn es fallen viele Arbeiten an, damit das Leben hier weiterlaufen kann. “Da reparieren wir als Verein beispielsweise die Stege oder haben zuletzt einen Bagger frisch gemacht, damit wir den Hafen tiefer ausbaggern können.” Fragt man Lorenz nach den besten Orten in MV, sagt er direkt: “Auf der Top 1 ist natürlich Rerik.” Aber auch Rostock und Wismar gefallen ihm, Kühlungsborn und Nienhagen nennt er auch. Viele der Orte könne man für Tagesausflüge ansegeln, selbst wenn man als Hafenmeister nicht so viel Zeit hat. In Rerik gefällt es ihm aber nicht nur so gut, weil er hier aufgewachsen ist, sondern auch wegen der Menschen und Orte.
Drüben bei der Surfschule Oceanblue Watersports kennt er die beiden, die heute die Gäste betreuen und Surfkurse geben. Auf den Holzpaletten trinken Gäste Aperol Spritz und schauen aufs Haff, ein Kumpel von Lorenz macht einen Crêpes mit Zimt und Zucker. Lorenz zieht seinen Neoprenanzug an, schnappt sich sein Board und steigt am Steg ins Wasser. Momentan bringt er sich Wingfoilen bei. Wenn er mal nicht auf dem Wasser ist, empfiehlt er das Café Sauer & Saftig. Die Inhaberin setzt vor allem auf Sauerteig, backt die Brote selbst. Beim heutigen Besuch hat sie ihr wenige Wochen altes Baby in einer Bauchtrage und serviert trotzdem Cappuccino. Dass ihr Café schon mal als bester Bäcker des Landkreises ausgezeichnet wurde, macht sie stolz.



Bei Kalles Beachbar mit den Füßen im Sand
Zurück aufs Wasser. Der Segeltörn mit seinem eigenen Boot dauert ungefähr eine Stunde, Lorenz guckt auf die Wellen, prüft, wo das Fahrwasser liegt, dreht das Steuerrad so, dass er immer zwischen der roten und grünen Boje durchfährt. Gegenüber passiert ein anderes Boot; Lorenz hebt die Hand zum Gruß. Gleich geht es zurück, er will noch zu Kalle, eine Bar am Strand. Dort spielt im Sommer immer Livemusik, es werden gute Leute eingeladen, erklärt Lorenz mit den Füßen im Sand. Fragt man ihn nach dem besten Spruch, der sich aufs Segeln und Leben gleichermaßen anwenden lässt, sagt Lorenz: “Bei uns in der Segelschule steht plakativ: ‘Du kannst die Winde nicht beeinflussen, aber du kannst deine Segel anders setzen.’ Ich glaube, das ist im Leben am Ende auch so! Man kann nicht beeinflussen, was passiert – aber man kann sich anpassen.”
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Oceanblue Watersports
- Am Parkplatz, 18230 Rerik
Unser größter Lohn ist deine Freude! Schnelle Lernerfolge am Kite, durch individuelle Betreuung.
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©© VMO | Alexander Rudolph Leuchtturm Bastorf
- Kühlungsborner Straße, 18230 Bastorf
Diese Landspitze weist eine Geländehöhe von ca. 78 m über dem Meeresspiegel auf. Die bauliche Höhe des roten Backsteinturmes beträgt 20,8 m, so dass sich eine Feuerhöhe von 95,3 m ergibt. Damit ist dieser Leuchtturm das höchst gelegene Leuchtfeuer, welches an den deutschen Küstengewässern zu finden ist.
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