Kommt man vom Müritz-Radrundweg vom See, blitzt es schon durch die Allee und ist als Mittelpunkt des Dorfes unübersehbar: das Gutshaus Ludorf, ein schwerer, heller Bau aus dem Jahr 1698, umgeben von altem Baumbestand. In der Mitte die schwere Tür, rechts der Eingang zum Restaurant, daneben Holzbänke, die zum Rasten einladen. In den Zimmern läuft kein Fernsehgerät, keine Minibar summt und kein Telefon klingelt. „Wir haben hier einen Ort geschaffen, an dem die Menschen das Gefühl haben, sie sind in einer ganz anderen Welt, ein bisschen Zeitreise”, sagt Jannis Achtenhagen, der das Haus heute gemeinsam mit seiner Mutter Keril Achtenhagen als Hotel und Restaurant in der Mecklenburgischen Seenplatte führt.
Jannis sitzt an seinem Schreibtisch, heute stehen mal wieder Verwaltung, Marketing, Website auf der To-do-Liste. Doch dass das mal sein Beruf sein würde, war ihm selbst lang nicht klar. „Das Gutshaus ist zwar in unserem Besitz, seit ich sieben bin, aber als ich in der Pubertät war, fand ich das alles total doof.” Mit dem spießbürgerlichen Leben wollte er damals nichts zu tun haben, beschreibt er. Er rebellierte, ging nach Australien und Berlin, um über sich selbst herauszufinden, dass die Anonymität großer Städte nichts für ihn ist. Mit dem Studium an der Hotelfachschule in Hamburg, wo er seinen Betriebswirt macht, kommt dann, wie er es nennt, der Ruf. „Ich habe gemerkt, dass Aufgaben hier für mich anstehen, von denen meine Eltern keine Ahnung haben – zum Beispiel Digitalisierung und Marketing.” Seit rund fünf Jahren ist er nun fest im Betrieb.



































