Jasmund Nationalpark: Größter Buchenwald der Ostsee

Veröffentlicht: 10. Dezember 2021

Wie eine dichte grüne Borte sitzt der Buchenwald auf der kreideweißen Steilküste von Jasmund., © TMV/Tiemann

Veröffentlicht: 10. Dezember 2021

Im kleinsten Nationalpark Deutschlands, auf Rügen, steht einer der größten Buchenwälder der Ostsee. Eine Wanderung durch dieses Biotop voller Geheimnisse

Bucheckern, frisch vom Baum, © TMV/Tiemann

Auf Jasmund soll man Buchen suchen

Schräg fällt Licht durch schmale Öffnungen, malt tanzende Flecken auf Säulen, die schnurgerade in die Höhe wachsen. Dann setzt entferntes Rauschen ein, wie Orgelgebraus. Eine gotische Kathedrale könnte kaum eindrucksvoller sein als die Stubnitz. So heißt der alte Buchenwald, der sich im Nationalpark Jasmund auf Rügen über der kreideweißen Steilküste erhebt.

Buchenwälder sind herrschaftliche Kathedralen der Natur. Denn Buchen dulden keine Konkurrenz neben sich. Im Kampf ums Licht seien sie die stärksten Bäume, erklärt Dr. Ingolf Stodian bei einer Wanderung durch die Stubnitz. Er ist Leiter des Nationalparks Jasmund im Nationalparkamt Vorpommern und kennt die Stubnitz wie seine Westentasche. Mit den Buchenwäldern von Serrahn im Müritz-Nationalpark gehört sie seit zehn Jahren zum UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“.

Die Architektur des Buchenwaldes im Nationalpark Jasmund auf Rügen

Der Mensch darf nicht eingreifen. Und auch nichts wegräumen. Die Natur kümmert sich um alles selbst., © TMV/Tiemann

Lebensraum Totholz

Weil die Stubnitz Nationalpark ist, darf der Mensch nicht eingreifen. Stodian zeigt einen entwurzelten Baumriesen. Dahinter schnürt ein Fuchs durchs Gras. Frösche quaken. Stodian weiß genau, wie wichtig Totholz für den Wald ist: Pilze zersetzen es, dann wachsen Moos und Gras darauf, Käfer quartieren sich ein. Totholz entsteht auch, weil die Buchen auf den trockener werdenden Böden manchmal nicht genug Halt finden. Das Gute daran: So entwickelt sich Raum für neue Waldgesellschaften.

Seit 800 Jahren stehen Buchen auf Jasmund. Buchenwälder waren einmal der europäische Urwald. Doch heute sind sie selten. Jasmund hat mit über 650.000 Bäumen den größten zusammenhängenden Buchenwald im ganzen Ostseeraum. Doch auch die anderen Schutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern – die Ivenacker Eichen, der Darßwald oder der Urwald am Peenestrom – sind grandiose Kathedralen der Natur.

Die feinen Verästelungen eines Baumblatts, © TMV/Tiemann

Entdeckungen im Wald

Die feinen Verästelungen eines Baumblatts
Keine abstrakte Kunst, sondern natürliche Schönheit. Umgestürzte Bäume sind außerdem wichtig für das Fortbestehen des Rügener Buchenwaldes., © TMV/Tiemann

Umgestürzte Bäume

Keine abstrakte Kunst, sondern natürliche Schönheit. Umgestürzte Bäume sind außerdem wichtig für das Fortbestehen des Rügener Buchenwaldes.
Stubnitz heißt der große Buchenwald im Nationalpark Jasmund, direkt an der Ostseeküste Rügens., © TMV/Tiemann

Kathedrale mit Meerblick

Stubnitz heißt der große Buchenwald im Nationalpark Jasmund, direkt an der Ostseeküste Rügens.
Direkt auf der Steilküste von Jasmund wachsen die Buchen dem Himmel entgegen., © TMV/Tiemann

Buchen an der Steilküste

Direkt auf der Steilküste von Jasmund wachsen die Buchen dem Himmel entgegen.